UBS-Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher hat laut einem Bericht der "Financial Times" Gespräche mit US-Finanzminister Scott Bessent über einen möglichen Umzug des UBS-Hauptsitzes in die USA geführt. Hintergrund seien anhaltende Unsicherheiten rund um die geplanten Kapitalreformen in der Schweiz.

Trump-Regierung "aufgeschlossen" für UBS-Umzug
Die Zeitung berichtet unter Berufung auf drei mit den Gesprächen vertraute Personen, die nicht namentlich genannt werden, die Regierung von US-Präsident Donald Trump sei "aufgeschlossen", die größte Schweizer Bank im Land willkommen zu heißen. Kelleher und Bessent hätten privat darüber gesprochen, wie ein solcher Schritt aussehen könnte.

UBS hält Schweizer Kapitalpläne für "extrem"
Die geplanten Kapitalregeln nach der Credit-Suisse-Übernahme könnten die Anforderungen für die UBS um rund 26 Milliarden US-Dollar erhöhen. Die UBS hatte diese Reformen als "extrem" bezeichnet. "Bloomberg" hatte im März berichtet, das Institut erwäge als Reaktion einen möglichen Wegzug aus der Schweiz.

Die Gespräche seien Ausdruck dessen, was das Management als treuhänderische Pflicht versteht: alle Optionen zu prüfen, falls sich die Schweizer Kapitaldebatte nicht zugunsten der Bank entwickle.

Politischer Gegenwind gegen das Reformpaket
Ein einflussreicher Ausschuss im Schweizer Parlament hatte Anfang des Monats Teile der Regierungspläne kritisiert und damit ein vorsichtig unterstützendes Signal in Richtung UBS gesendet.

In einer Stellungnahme erklärte die UBS: "Wie wir wiederholt gesagt haben, wollen wir weiterhin erfolgreich als globale Bank aus der Schweiz heraus operieren." Kelleher lehnte eine Stellungnahme ab. Auch das US-Finanzministerium reagierte zunächst nicht auf Anfragen.

Kapitalvorschriften im Zentrum der Debatte
Die UBS prüft ihre Optionen seit Jahresbeginn und lobbyiert zugleich dafür, zentrale Elemente der Reform zu entschärfen. Kernpunkt ist die geplante Pflicht, alle ausländischen Tochtergesellschaften – einschließlich des US-Vermögensverwaltungsgeschäfts und des Investmentbankings – vollständig mit Kapital auf Ebene der Muttergesellschaft zu unterlegen.

Theoretisch reichten die Optionen im "Worst Case" von einem Zusammenschluss mit einer nicht-schweizerischen Bank zur Änderung des Domizils bis hin zu technischen Anpassungen, um die Kapitalbelastung über mehrere Jahre verteilt zu dämpfen.

USA lockern Kapitalanforderungen – Schweiz zieht Vorschriften an
Wie die Nachrichtenagentur "Bloomberg" im September berichtete, neigt die UBS-Führung derzeit eher nicht zu drastischen Schritten. Eine Abstimmung über die Schweizer Reformen wird frühestens 2027 erwartet. Ein möglicher Umzug könnte der Bank dennoch Vorteile bringen.

Die USA befinden sich aktuell in einer Deregulierungsphase, die laut dem Beratungsunternehmen Alvarez & Marsal die Kapitalanforderungen großer Banken spürbar senken könnte. Rund 2,6 Billionen US-Dollar an zusätzlicher Bilanzkapazität könnten freigesetzt werden. Kelleher hatte bereits früher offen über den Wunsch gesprochen, eine US-Vermögensverwaltung zu übernehmen, um die Präsenz im weltweit größten Wealth-Markt auszubauen.

Die Schweiz wiederum setzt die Basel-III-Vorschriften schneller um als viele andere Länder. Die Finanzmarktaufsicht Finma hat ihre Aktivitäten seit dem Zusammenbruch der Credit Suisse 2023 und der anschließenden Übernahme durch die UBS verstärkt. (mb/Bloomberg)