Berenberg räumt Fehler bei der Bilanzierung ein
Gut vier Wochen ist es her, dass die Bafin die Berenberg-Chefs durch Sonderbeauftragte ersetzte – und die Finanzwelt über die Hintergründe rätseln ließ. Nun legt die Hamburger Privatbank erste Details offen. Die gute Nachricht: Mittlerweile sind die "strittigen Vorfälle" wohl "verarbeitet".
Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte hat den Jahresabschluss der Berenberg Bank am 20. Juli uneingeschränkt testiert. Demnach konnte das Institut das Jahr 2025 mit einem Jahresüberschuss von 20,2 Millionen Euro abschließen. "Darin sind alle unter der vorherigen Geschäftsleitung entstandenen strittigen Vorfälle verarbeitet", teilt die Hamburger Privatbank mit.
Damit versucht Berenberg einen ersten Schlussstrich unter ein aufwühlendes Kapitel der über 400-jährigen Unternehmensgeschichte zu ziehen: Vor gut vier Wochen hatte die Finanzaufsicht Bafin angeordnet, die bisherigen Geschäftsleiter durch zwei Sonderbeauftragte zu ersetzen. Begründet wurde dies mit "Hinweisen auf mögliche Corporate-Governance-Verstöße".
Einzelne Geschäfte entsprachen "nicht den handelsrechtlichen Vorschriften"
In der aktuellen Pressemitteilung geht Berenberg nun deutlich detaillierter auf die Hintergründe ein – und räumt damit offen Fehler bei der Bilanzierung ein: "Bei der Erstellung des Jahresabschlusses 2025 war aufgefallen, dass Bilanzierung und Bewertung einzelner Aktiengeschäfte im Eigenbestand der Bank nicht den handelsrechtlichen Vorschriften entsprochen hatten." Die Ergebnisse der daraufhin durchgeführten intensiveren Analyse dieser Sachverhalte habe den Prüfungsausschuss des Verwaltungsrates der Bank veranlasst, eine weitergehende forensische Untersuchung durch eine externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zu beauftragen.
Zusammenfassend habe sich in der Sonderuntersuchung ein "Bild von Maßnahmen" ergeben, "die wesentlich von der Zielsetzung geprägt waren, regulatorische Eigenmittel- und Eigenkapitalwirkungen zu steuern und in einzelnen Fällen Ergebniswirkungen buchhalterisch zu erzeugen, zu glätten oder zeitlich vorzuziehen", so die Bank. "Des Weiteren hatten die damaligen Geschäftsleiter Organkredite für Mitglieder der damaligen Geschäftsleitung genehmigt, die Einschränkungen insbesondere hinsichtlich der Marktgerechtigkeit aufweisen."
Riehmer wehrt sich gegen die Bafin
Das nun für 2025 ausgewiesene Ergebnis von 20,2 Millionen Euro liegt deutlich unter dem des Vorjahres, als das Institut noch einen Jahresüberschuss von 81,6 Millionen Euro ausgewiesen hatte. Darauf, dass ein entsprechender Ergebnisrückgang zu erwarten sei, hatte die Bank die Öffentlichkeit bereits am 19. Juni vorbereitet – an jenem Tag, an dem die Bafin die Befugnisse der drei bisherigen Geschäftsleiter Hendrik Riehmer, David Mortlock und Christian Kühn ruhend stellte.
Seither leiten auf Geheiß der Bundesanstalt der frühere Berenberg-Chef Hans-Walter Peters sowie der frühere Degussa-Bank-Vorstand Michael Horf die Geschäfte. Riehmer wehrt sich gegen den Schritt der Bafin.
Die "Überwachungsfunktion" soll ausgebaut werden
Peters betont in der aktuellen Mitteilung der Bank, dass das Kundengeschäft nicht von der Anordnung der Finanzaufsicht betroffen sei: "Es gab und gibt keinerlei Auflagen der Bafin hierzu." Berenberg habe "höchst kompetente Mitarbeiter", ein "hervorragendes Geschäftsmodell" und stehe "finanziell sehr solide" da. "Die Loyalität und der Zuspruch unserer Kunden haben mich tief bewegt. Damit werden wir weiter in die Zukunft gehen", lässt sich der frühere und nun wieder amtierende Chef in der Pressemitteilung zitieren.
Sein von der Bafin bestellter Kollege in der Geschäftsleitung Horf ergänzt, die Bank werde nun "die Überwachungsfunktionen weiter ausbauen und stärken". Dies sei "in dieser Situation sicher angemessen", so der frühere Degussa-Bank-Vorstand. Horf zufolge hat die Bank das erste Halbjahr mit einem "sehr erfreulichen Überschuss" von rund 40 Millionen Euro abgeschlossen. Die Bank befinde sich in einer "sehr komfortablen Liquiditätssituation", betont er. (bm)













