"Befremdlich": Orlopp weist Orcel-Kritik scharf zurück
Im Übernahmepoker zwischen Unicredit und Commerzbank nehmen die Spannungen weiter zu. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp reagiert nun mit klarer Kritik auf die jüngsten Vorstöße aus Italien.
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hat auf die deutliche Kritik ihres Amtskollegen bei Unicredit, Andrea Orcel, reagiert.
Die Präsentation von Unicredit am Montag (20.4.) zur Verbesserung der Leistung der deutschen Bank sei ein "Versuch, das erfolgreiche Geschäftsmodell der Commerzbank aufzubrechen, jedoch kein glaubwürdiger Plan zur Wertsteigerung", teilte die Commerzbank am Montagabend mit.
Scharfer Ton im Übernahmekampf
Orcel hatte die Strategie des Frankfurter Instituts heftig kritisiert. Der zunehmend scharfe Ton zwischen der italienischen Bank und ihrer deutschen Konkurrentin macht es immer unwahrscheinlicher, dass beide Vorstandschefs bei einem möglichen Zusammenschluss eine gemeinsame Basis finden. Eine Transaktion wäre einer der größten Bankdeals, die es in Europa je gab.
Die Schritte von Unicredit "untergraben das für das Bankgeschäft notwendige Vertrauen und die Interessen aller Stakeholder", erklärte die Commerzbank. Man empfinde "Art und Ausmaß der aggressiven Vorstöße, die Unicredit gegenüber einem Wettbewerber und einer systemrelevanten Bank gewählt hat, als befremdlich".
Details zum Übernahmeangebot
Die Grundzüge von Orcels Vision für die Commerzbank wurden nur wenige Wochen vor der Vorlage seines im März vorgestellten Übernahmeangebots in Höhe von 35 Milliarden Euro an die Aktionäre der Frankfurter Bank bekannt gegeben. Die Offerte enthält nur eine geringe Prämie und dürfte den Anteil von Unicredit von aktuell knapp unter 30 Prozent auf etwas mehr als 30 Prozent erhöhen.
Unicredit versucht seit September 2024, die Commerzbank zu übernehmen, ist jedoch wiederholt auf Ablehnung gestoßen. Auch jüngste Gespräche führten nach Angaben der Commerzbank nicht zu einer Annäherung der Positionen.
Orlopp übt deutliche Kritik
"Es ist erstaunlich, dass Unicredit über 18 Monate benötigt hat, um einen unabgestimmten Plan vorzulegen, der trotz regelmäßiger Investorenmeetings in diesem Zeitraum ein grundlegendes Verständnis für die Treiber unseres Geschäftsmodells vermissen lässt", sagte Orlopp.
Unicredit hatte zuvor erklärt, die Commerzbank zeige "eine Geschichte operativer Unterperformance" und leide unter "strukturellen Schwächen", die lediglich "durch finanzielle Rückenwinde überdeckt" würden.
Politik und Arbeitnehmer reagieren
Auch deutsche Politiker kritisieren das Vorgehen der Italiener und verweisen auf Risiken. Bundeskanzler Friedrich Merz wies am Montag auf einer Konferenz in Berlin das zurück, was er als feindselige Taktiken in der Bankenbranche beschrieb.
Unterdessen warnen Arbeitnehmervertreter der Commerzbank vor umfangreichen Stellenstreichungen im Falle einer Übernahme. Unicredit erklärte am Montag (20.4.) hingegen, mögliche Kürzungen lägen deutlich unter den von Arbeitnehmervertretern genannten Zahlen. Die italienische Bank plant nach eigenen Angaben, die Zahl der Commerzbank-Beschäftigten in Deutschland um etwa 7.000 zu reduzieren. (mb/Bloomberg)















