Die Bawag Group hat von Jänner bis September 2018 ihren Nettogewinn verglichen mit der Vorjahresperiode um neun Prozent auf 327 Millionen Euro gesteigert. Bei näherem Betrachten hat aber hier der Zukauf der deutschen Südwestbank, die im Vorjahr noch nicht in den Zahlen vertreten war, einen wesentlichen Beitrag geleistet. Ein beachtenswerter Punkt, denn die Bawag polt den Fokus der Südwestbank von Firmenkunden gerade auf Retail um, was in Deutschland zu zahlreichen kritischen Berichten führte. Wenn die Strategie nicht aufgeht, könnte es schwierig werden für die Bawag.

So lieferte die Südwestbank zum gesamten Nettogewinn im Dreivierteljahr von 327,3 Millionen Euro einen Beitrag von 33,2 Millionen Euro. Würde man diese Position herausrechnen, käme man netto auf ein Minus von 1,9 Prozent zum Jahr davor. Besonders stark hat die Südwestbank durch Provisionseinnahmen von 29,1 Millionen Euro – und hier vor allem 16,8 Millionen Euro aus der Wertpapiervermittlung und dem Depotgeschäft – beigetragen. Auch die ebenfalls Ende 2017 abgeschlossene Übernahme des Kreditkartengeschäfts von Paylife sorgte laut dem Quartalsbericht für einen ordentlichen Schub beim Provisionsüberschuss, der insgesamt mehr als 40 Prozent über dem Vorjahr lag.

Provisionen schwächeln
Das Segment Bawag Retail zeigte sich hingegen provisionsschwach. Bei den Provisionseinnahmen gab es ein Minus um rund 5,22 Prozent auf 154,4 Millionen Euro (von 162,9 Millionen Euro im Jahr 2017). Rückläufig waren freilich auch die Provisionszahlungen, die die Bank in diesem Segment leistete – am Ende stand auf diese Weise auch im Retail wieder ein Plus zum Vorjahr, das aber keineswegs positiv stimmen kann. Die Bawag verlautete gegenüber FONDS professionell ONLINE: "Generell ist das Marktumfeld für Wertpapiere derzeit gedämpft und am österreichischen Markt gibt es traditionell und verstärkt die Tendenzen zu Veranlagungen in Sparbücher und Anlagekonten".

Dass die Schwäche im Segment eine Folge der Abkoppelung vom Vertriebspartner Post ist, wird von der Bank zurückgewiesen. "Die Trennung vom Vertriebspartner Post spielt absolut keine Rolle, da die Fondsvermittlung nur durch ausgebildete Bankberater erfolgen darf", heißt es auf Nachfrage. Die Bank, die seit Herbst 2017 börsenotiert ist, will sich bekanntlich bis Ende 2019 von der Post trennen und ist bereits aus zahlreichen Filialen ausgezogen (die Pressestelle konnte ad hoc nicht beantworten, aus wie vielen bis jetzt).  (eml)