Das Platzen des Banken-Joint Ventures zwischen der österreichischen Post AG und der deutschen Fintech Group hat mittlerweile auch personelle Konsequenzen. Wie am Sonntag in nach einer Sonderaufsichtsratssitzung anlässlich des Fintech-Debakels bekannt gegeben wurde, räumt Walter Hitziger, Vorstand in der Post AG für Brief, Werbepost und Filialen, seinen Sessel noch bis Jahresende. Der Vertrag wurde einvernehmlich gelöst.

Banksuche wieder aufgenommen
Hitzigers Agenden werden auf die drei verbleibenden Vorstände verteilt. Dabei übernimmt Generaldirektor Georg Pölzl das Geschäftsfeld Filialnetz. Hier müsste die Post ordentlich auf die Tube drücken, wenn sie ihre Vorhaben tatsächlich umsetzen wollte: Sie hält an ihrem Plan fest, nach dem Aus der bisherigen Kooperation mit der Bawag PSK per Ende 2019 Bankdienstleistungen in der Filiale anzubieten, wie ein Sprecher gegenüber FONDS professionell ONLINE sagte. In der Aussendung nach der Sondersitzung war die dringliche Bankenthematik hingegen mit keiner Silbe erwähnt worden.

Die Post selbst besitzt jedenfalls keine Banklizenz. Spätestens mit Beginn 2020 wäre also eine neue Partnerin mit eigener Erlaubnis am heimischen Markt tätig zu werden, nötig. Die erneute Suche nach einem geeigneten Unternehmen aus dem In- oder Ausland sei aufgenommen worden, so der Postsprecher. Doch die Zeit drängt. Ein etwaiger Deal müsste noch durch die strengen Augen der FMA. Punkto Aufsicht dürfte es sich auch schon beim Scheitern des Fintech Group-Joint Ventures gespießt haben.

Stellt sich die Frage, wer überhaupt noch in Frage kommt, um so schnell eine aus Sicht der Behörde geeignete Allianz zu schmieden. Marktneulinge scheinen wenig Chance zu haben. Bei der FMA dauert es mindestens ein halbes Jahr, um in einem eigenen Konzessionierungsverfahren grünes Licht zu erhalten. Aber nur, wenn wirklich kein Makel in den eingereichten Unterlagen besteht.

Anadi und Volksbanken winken ab – Santander wortkarg
Für Anadi, die sich früher interessiert gezeigt hatte, ist eine Kooperation heute "kein Thema" mehr. Die Post habe auch nicht angefragt, heißt es zu FONDS professionell ONLINE. Bei den Volksbanken sagte ein Vertreter, so ein Schritt in der Schnelle sei nebenher schwer zu bewältigen: Die Volksbanken würden 2019 daran arbeiten, sämtliche Vorgänge vom Kreditprozess bis zur IT verbundweit auf einen einheitlichen Nenner zu bringen. Volksbanken Generaldirektor Gerald Fleischmann hatte heuer aber bereits bedauert, dass die Post-Option sich einfach zwei Jahre zu früh aufgetan habe.

Während diese beiden Unternehmen Stellung bezogen, zeigte sich die früher auch im Gespräch stehende Santander Consumer Bank auffällig wortkarg. Nachdem sich länger keine der Auskunftspersonen zurückmeldete, hieß es auf die Frage, ob es Gespräche mit der Post gebe, oder man Interesse habe, dass man dazu keine Auskunft geben könne. (eml)