Der Schwund an Bankfilialen im ländlichen Raum – vor allem im Genossenschaftssektor kam es in den vergangenen Jahren zu etlichen Fusionen – scheint langsam, aber sicher ein Politikum zu werden. Anfang des Jahres forderten die SPÖ-Abgeordneten Konrad Antoni und Markus Vogl in einer Petition, Finanzminister und Wirtschaftsministerin sollten sich dafür einsetzen, dass mehr Filialen am Land erhalten bleiben. Dass eine solche Intervention – so sie überhaupt erfolgen sollte – Erfolg haben könnte, darf bezweifelt werden.

Viele Banken haben gar keine ­andere Wahl. Im Fall der Volksbanken kam es nach der Schieflage des ehemaligen Zentralinstituts ÖVAG zu einer erzwungenen Fusionswelle und damit auch zu Filialschließungen. Niemand schließt Zweigstellen aus einer Laune heraus. "Zinsen, global agierende Internetbanken, verschärfter Wettbewerb und eine angeblich zu große Bankendichte mit vielen zu kleinen Instituten veranlassen Berater und Behörden zu Fusionsempfehlungen für noch selbstständige Banken", bringt es Thomas Fuchs, ehemaliger Direktor der Raiffeisenbank Mittleres Unterinntal, auf den Punkt. 

Laut Zahlen der Oesterreichischen Nationalbank gab es im Jahr 2000 in Österreich noch 766 eigenständige Genossenschaftsbanken, Ende des vergangenen Jahres waren es noch 461, fast 40 Prozent weniger. Parallel dazu nahm auch die Zahl der Zweigstellen ab, hier gab es im selben Zeitraum einen Rückgang von 37 Prozent auf 2.250. Während der Sparkassensektor schon frühzeitig begann, einen Konsolidierungsprozess einzuleiten, zog der Raiffeisensektor erst relativ spät nach. Seit 2000 verschwanden hier 266 Hauptinstitute, 100 davon nach dem Jahr 2014. Das Ziel des Konzentrationsprozesses besteht darin, die Ertragskraft zu stärken, ob es aber erreicht wird, ist nicht so ohne Weiteres feststellbar. Nun liegt erstmals eine Analyse vor, die versucht, diese Frage zu beantworten. Erstellt hat sie der langjährige Bankdirektor Fuchs, der schon früher für den Förderungsverein der Primärbanken die Bilanzdaten aller heimischen Bank ausgewertet hat. Mit diesem Know-how gerüstet, analysierte er nun erstmals die Ergebnisse der Fusionswelle. 

Analyse der Fusionen
Im Rahmen der Untersuchung wurden alle bekannten Fusionen seit 2014 hinsichtlich ihrer betriebswirtschaftlichen Auswirkungen und der Veränderung von Marktanteilen unter die Lupe genommen. Das Motiv dafür war nicht akademisches Interesse, sondern die betriebswirtschaftliche Frage nach der Sinnhaftigkeit von Filialschließungen.

Dabei ging der Ex-Banker folgendermaßen vor: Für die Fusionsanalyse wurden sowohl die Entwicklung der Ertragslage als auch die Veränderung der Marktanteile näher untersucht. Der Betriebsertrag ist ein Wert, aus dem sich laut Fuchs vermeintlich gute Fusionen erkennen lassen. Auch das EGT ist für ihn ein wesentlicher Faktor für die Beurteilung einer Gesamtbank. Deshalb wurde der Mittelwert des Betriebsergebnisses und des EGT von 2014 bis 2016 den Werten von 2017 gegenübergestellt. Daraus ergibt sich ein Überblick über die Entwicklung der Ertragslage. Bei den Marktanteilen wurde die Bilanzsumme verwendet, diese korreliert sehr stark mit dem Kundenvolumen, bestehend aus Einlagen und Krediten. Auf dieser Basis wurden der Marktanteil in Österreich errechnet und die Jahre 2014 und 2017 verglichen. Um echte Vergleiche anstellen zu können, hat Fuchs rückwirkend die Fusionsbanken bis 2014 mit allen Bilanzdaten als gemeinsame Bank simuliert, so können fast alle gängigen Bilanzkennziffern vor und nach den Fusionen verglichen werden. Zu guter Letzt wurde versucht, durch eine Reihung der ausgewogen gewichteten Kriterien die am besten gelungenen Fusionen zu finden. 

Aus Fuchs’ Sicht lässt sich aus dem Ergebnis jedenfalls herauslesen, dass die ursprünglich erwarteten Synergieeffekte bis dato kaum eingetreten sind. "Viele Banken haben Kunden verloren. Es zeigen sich im Bereich der Marktanteile teils deutliche Verluste, allerdings konnte der Ertrag bei vielen auch stark verbessert werden. Fällt ein Institut im Bereich der Bilanzsumme zurück und der Ertrag bleibt gleich, dann sieht das am Papier natürlich besser aus. Viele Banken haben den aus meiner Sicht verfolgten Zweck jedoch nicht erreicht, da sie Kunden verloren haben. Da stellt sich die Frage: Was ist besser – Kunden zu verlieren oder den Ertrag zu steigern?" 

Synergieeffekte
Die Banken selbst sehen das Ergebnis der Analyse freilich nicht ganz so kritisch. Otto Prantl, Vorstand der Raiffeisen-Regionalbank Schwaz, die in der Reihung auf Platz 35 liegt, erklärt etwa: "Die Raiffeisen-Regionalbank Schwaz konnte die Kundenvolumen in den ersten Jahren nach der Fusion stark steigern, mit leichter Korrektur 2017. Das geht aus der Gesamtübersicht 2014 bis 2017 der Fusionsanalyse nicht so klar hervor, diese Details sieht man allerdings in den inkludierten Jahresdaten mit Aufgliederungen der einzelnen Bilanzpositionen." Allerdings gibt auch Prantl zu, dass die noch unterdurchschnittlichen ­Ertragskennziffern zeigen, dass mögliche ­Synergieeffekte zugunsten guter Kundenkonditionen noch nicht voll ausgeschöpft wurden. "Wir gehen davon aus, dass wir in der nächs­ten Fusionsanalyse (2018) daher eine noch bessere Position erzielen werden", ist der Bankvorstand überzeugt. 

Auf Rang eins im Ranking liegt übrigens die Raiffeisenbank Kitzbühel – St. Johann, die aus der Fusion der Raiffeisenbank Kitzbühel mit der Raiffeisen Regionalbank Fieberbrunn – St. Johann entstanden ist. Dort konnte man offensichtlich von der Fusion deutlicher profitieren, die Marktanteile konnten gehalten werden, und das Geschäftsvolumen wurde sogar ausgebaut. "Synergieeffekte im Verwaltungsbereich sind zum Teil bereits eingetreten und werden auch weiterhin laufend wahrgenommen", erklärt Vorstand Heinz Hasslwanter die Situation. (gp)


Den gesamten Artikel inklusive der detaillierten Analyseergebnisse finden Sie in der aktuellen Heftausgabe von FONDS professionell 2/2019 ab Seite 218. Angemeldete FONDS professionell KLUB-Mitglieder können den Beitrag auch hier im E-Magazin lesen.