Banker, denen ihr Gehalt am Herzen liegt, müssen bald nachweisen, dass sie aktiv auf die Nachhaltigkeitsziele ihres Unternehmens einwirken. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hat 20 Europäische Banken zu ihrer ESG-Strategie befragt. Die Mehrheit gab an, dass sie entweder ein Modell vorbereiten, das die Mitarbeitervergütung an die Erfolge eines Unternehmens bei Nachhaltigkeitskennzahlen koppelt, oder bereits ein solches haben. Die europäische Regulierungsbehörde will bis Ende 2021 ESG-Risiken explizit in die Vergütungsrichtlinien für Banken aufnehmen. 

"Die Branche befindet sich in einer Transformation, die ESG fest in der Vergütung verankern wird", sagt Nicole Fischer, Beraterin bei Willis Towers Watson.  Allerdings ist es alles andere als einfach, Nachhaltigkeit zu messen. Außerdem fehlt es an einheitlichen Richtlinien. Gleichzeitig bietet die stärkere Rolle von ESG-Kriterien neue Möglichkeiten für die Politik, den Kapitalismus in Europa umzugestalten. Das ultimative Ziel ist es, finanzielle Anreize für gutes Handeln zu setzen. "Unternehmen, die ESG in der Vergütung berücksichtigen, können besser vorausschauen und Risiken frühzeitig erkennen", sagt Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei der Deka. "Nachhaltigkeit ist ein Werttreiber."

Vorteil für Belegschaft
Für die Mitarbeiter einiger Banken hat es Vorteile, dass ihre Bezahlung nicht nur vom Gewinn abhängt. So hatte das französische Kreditinstitut La Banque Postale im vergangenen Jahr die Boni ihrer Mitarbeiter sowohl an Nachhaltigkeit als auch an Gewinne knüpft. Aufgrund der Coronakrise konnte die Bank den Großteil ihrer Geschäftsziele nicht erreichen. Doch die Banker bekamen dennoch ihren Bonus: Die Bank gehörte zu den Top 25 Prozent in externen ESG-Rankings. Ein weiteres Ergebnis der Bloomberg-Umfrage: Banken planen keine umfangreichen Neueinstellungen, um ESG-Expertise aufzubauen. Stattdessen werden bestehende Teams umgebaut und geschult. (fp/Bloomberg)