Der Exodus setzt sich fort: Immer mehr US-amerikanische und europäische Bankhäuser kehren dem Finanzstandort London den Rücken zu. Allein in den kommenden Monaten werden mit Barclays, Credit Suisse und Morgan Stanley drei Großbanken ihre Präsenz in der britischen Hauptstadt zurückfahren oder ganz aufgeben, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Die Entscheidung haben die Institute bereits vor der Covid-19-Pandemie getroffen, dennoch dürfte die Krise den Prozess beschleunigt haben. Die Pandemie habe den Banken "weiteren Anlass gegeben, zu schrumpfen und zu sparen, nachdem sie bereits ein Jahrzehnt lang infolge der Finanzkrise in aller Stille Büroräume reduzieren", schreibt Bloomberg und beruft sich auf eine Studie des Immobiliendienstleisters CBRE. Demnach ist die von den Finanzinstituten genutzte Bürofläche in London in den vergangenen neun Jahren um etwa 557.000 Quadratmeter zurückgegangen.

Konzept der Unternehmenszentrale veraltet?
Neben dem Abbau von Arbeitsplätzen habe die Pandemie aber auch dazu geführt, dass die Finanzinstitute die Zukunft des Büros selbst hinterfragt haben. Viele Führungskräfte hätten im Zuge der Krise gemerkt, dass die Arbeit von zu Hause genauso effektiv sein kann wie im Büro. Führende Manager wie Barclays-Chef Jes Staley oder Morgan-Stanley-Vorstand James Gorman hätten sogar angefangen, sich zu fragen, ob das Konzept der Unternehmenszentrale nicht veraltet sei. Auch die UBS hat Bloomberg zufolge bereits angekündigt, dass künftig bis zu ein Drittel der Mitarbeiter dauerhaft von zu Hause arbeiten kann. (fp)