Die Prognosen waren düster: Zum Zeitpunkt des Brexit-Referendums 2016 rechneten Beratungsgesellschaften wie Oliver Wyman und PwC damit, dass in Großbritannien 70.000 oder gar bis zu 100.000 Finanzjobs verloren gehen könnten. Doch der Stellenabbau in London hält sich nun, knapp zwei Jahre nach dem EU-Austritt, in Grenzen, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) berichtet. Ein Jahr nach dem britischen Abschied vom EU-Binnenmarkt ist die Zahl der Stellen annähernd gleich geblieben.  

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY hat Finanzinstitute befragt und herausgefunden, dass sich das Ausmaß der Brexit-Jobverluste "in der Größenordnung weniger Prozent aller Finanzjobs der City“ bewegt. Insgesamt sind in London laut FAZ weit mehr als eine halbe Million Menschen bei Banken, Versicherungen, Vermögensverwaltern Brokern und in Spezial-Kanzleien beschäftigt. Seit 2016 haben 44 Prozent der befragten 222 Finanzhäuser Stellen verlagert – 2.800 Stellen wanderten nach Paris, 1.800 nach Frankfurt und 1.200 nach Dublin. 

Corona bremst Wegzug
Dass einige Banken ihre Pläne revidierten, liegt auch an der Corona-Pandemie. "Die Reisebeschränkungen haben die Praktikabilität der Umzüge erschwert", zitiert die FAZ EY-Manager Ali Omar. Im neuen Jahr könnten die Verlagerungen zunehmen, schätzt Omar mit Verweis auf den Druck europäischer Regulierer wie der Europäischen Zentralbank (EZB), die britische Banken dazu drängen, ihren in EU-Finanzzentren verlagerten Bilanzpositionen auch das entsprechende Personal folgen zu lassen. (fp)