Die österreichische Post AG kann aufatmen. Sie ist bei der im April bekanntgegebenen Beteiligung an der Grawe-Tochter Brüll Kallmus Bank am Ziel angelangt: Die angestrebten 80 Prozent an Brüll Kallmus wurden übernommen, nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) im Rahmen des Eigentümerkontrollverfahrens einen positiven Entscheid gestellt hat. Das teilt die Post in einer Aussendung mit. Dank der Banklizenz von Brüll Kallmus kann das Finanzdienstleistungsgeschäfts in den Filialen fortgeführt beziehungsweise wiederbelebt werden.

Filialdienstleistungen nach Bawag-Scheidung rückläufig
Ein Scheitern vor der Aufsicht wäre einer großen Niederlage gleichgekommen. Nachdem die einstige Kooperationspartnerin, die Bawag, im Jahr 2017 die Scheidung eingereicht hatte, präsentierte die Post Ende 2018 die deutsche Fintech Group als neue Partnerin. Doch der Deal platzte. Gemutmaßt wurde, dass man bei der Aufsicht nicht rechtzeitig vor dem Ende der Bawag-Kooperation weiter gekommen wäre. Die Zusammenarbeit mit der Bawag sollte nach ursprünglichen Scheidungsplänen bis spätestens Ende 2019 enden, nun läuft sie aber theoretisch bis Ende 2020 weiter. Allerdings auf Sparflamme.

Die Umsätze aus Filialdienstleistungen sind im ersten Halbjahr 2019 im Vergleich zum Jahr davor um fast zehn Prozent gesunken. Derzeit sind nur einfache Transaktionsdienstleistungen wie Ein- und Auszahlungen am Postschalter möglich. Die Kooperation mit Brüll Kallmus, die davor allein dem Bank- und Versicherungsriesen Grawe Gruppe gehörte, eröffnet nun komplett neue Möglichkeiten.

Neue Dienstleistungen ab dem zweiten Quartal
Ab dem zweiten Quartal 2020 will die Post neue Finanzdienstleistungen anbieten, wie es bei der Post heute heißt. Die Services soll es nicht nur in den rund 1.800 Geschäftsstellen (eigenbetriebene Filialen und Post Partner) geben, sondern auch online. Im Vordergrund stehen Dienstleistungen rund um Konto und Zahlungsverkehr. "Weitere Finanzdienstleistungen und Versicherungsprodukte sollen über Partner angeboten werden und das Produktportfolio abrunden", heißt es vage. Das Geschäftsmodell sei jedenfalls "fokussiert und risikoavers gestaltet".

Für die Übernahme des Brüll Kallmus-Anteils legt die Post nach eigenen Angaben rund 55 Millionen Euro auf den Tisch, die im Rahmen einer Kapitalerhöhung eingebracht werden. Interessant wird, wie das Unternehmen künftig angesichts des forcierten Finanzdienstleistungsengagements im sensiblen Bereich Daten vorgeht. Wie heute ebenfalls mitgeteilt wird, hat die Post eine Rückstellung in Höhe von 18 Millionen Euro für eine Strafe der Datenschutzbehörde gebildet. Das Urteil, das die Post bekämpft, wurde von der Behörde wegen der Verwendung von Marketingdaten ausgesprochen. Die Causa warf heuer einen großen Schatten auf das Unternehmen. Ob das Bankservice bei den Kunden Vertrauen erhält, wird letztendlich auch vom Umgang mit dieser Thematik abhängen. (eml)