Das Interesse an der Hauptversammlung der Oberbank im Donauforum Linz war dieses Mal besonders groß. Grund für den Andrang war wohl der seit einiger Zeit schwelende Konflikt zwischen der Unicredit Bank Austria und der Drei-Banken-Gruppe. Bekanntlich stellt die Bank Austria die Verflechtung der Institute innerhalb der Drei-Banken-Gruppe in Frage. Sie verlangt eine Sonderprüfung sämtlicher Kapitalerhöhungen der vergangenen Jahrzehnte. Oberbank, BTV und BKS zeigten sich jedoch kampfbereit und konnten in der am 8. Mai erfolgten Hauptversammlung der Kärntner BKS Bank den ersten Angriff abwehren (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Kein weiterer Aufsichtsrat für Bank Austria
Nun scheiterte die Bank Austria auch bei der Hauptversammlung der Oberbank. Die Bank Austria hatte zuvor einen Antrag eingebracht, den Bank-Austria-Risikovorstand Jürgen Kullnigg in den Aufsichtsrat zu wählen. Sie wollte damit offenbar erreichen, dass sie neben den bereits dort vertretenen beiden Aufsichtsräten Karl Samstag (Ex-Bank-Austria-Chef) und Bank-Austria-Finanzvorstand Gregor Hofstätter-Pobst ein drittes ihr zurechenbares Mandat bekommt. "Damit will die UniCredit Bank Austria offensichtlich ihren Einfluss auf die Oberbank vergrößern und einen beispiellosen Angriff auf unsere Unabhängigkeit starten“, meint Oberbank-Generaldirektor Franz Gasselsberger.

Durch die Verkleinerung des Aufsichtsrats von 12 auf elf gewählte Mitglieder war es am Ende jedenfalls nicht notwendig, das durch Rücklegung von Wolfgang Eder frei gewordene Mandat nachzubesetzen. Damit war der Antrag der Unicredit Bank Austria, Jürgen Kullnigg in den Aufsichtsrat zu wählen, hinfällig. Allen Vorstandsmitgliedern wurde für das Geschäftsjahr 2018 von der Hauptversammlung übrigens die Entlastung erteilt. Die Mitglieder des Aufsichtsrats wurden, mit Ausnahme von Gregor Hofstätter-Pobst, ebenfalls entlastet.

Die Reaktionen der bei der Hauptversammlung anwesenden Aktionäre zeigten für die Oberbank, dass kein Verständnis für die Vorgangsweise der Bank Austria herrscht. Das Unverständnis resultiert vor allem aus der Tatsache, dass die Bank Austria und ihre Vorgängerorganisationen seit Jahrzehnten in den Aufsichtsräten und Hauptversammlungen der drei Banken vertreten sind und alle Kapitalmaßnahmen und Personalia, die sie jetzt in Frage stellen, mitbeschlossen und sich an fast allen Kapitalerhöhungen auch selbst beteiligt haben. (gp)