Die Unicredit wird an der Hauptversammlung der Commerzbank nicht teilnehmen, wie "Bloomberg" von mit der Angelegenheit vertrauten Personen erfahren hat. Damit fehlt dem wichtigsten Investorentreffen der Frankfurter Bank zugleich ihr größter Kritiker, größter Aktionär und potenzieller Käufer.

Das italienische Geldhaus habe seine Commerzbank-Aktien nicht fristgerecht bis zum 13. Mai für die Teilnahme registriert, sagten die Personen weiter. Dadurch könne die Unicredit nicht an der Hauptversammlung teilnehmen. Die Hauptversammlung ist für den 20. Mai angesetzt. Vertreter von Unicredit und Commerzbank lehnten eine Stellungnahme ab.

Übernahmepläne stoßen weiter auf Widerstand
Die Unicredit versucht, die Commerzbank zu übernehmen. Das Zielinstitut mit einer Marktkapitalisierung von rund 40 Milliarden Euro hat das Angebot über 37 Milliarden Euro jedoch als zu niedrig zurückgewiesen. Auch die Bundesregierung, die rund zwölf Prozent an der Commerzbank hält, lehnt die Transaktion ab.

Das Mailänder Institut hält direkt 26,77 Prozent an der Commerzbank und ist damit deren größter Aktionär. Zudem hat sie Derivate, die in weitere 3,22 Prozent der Aktien umgewandelt werden können. Die von Vorstandschef Andrea Orcel geführte Bank hat die Geschäftsentwicklung der Commerzbank wiederholt scharf kritisiert und gefordert, das internationale Netzwerk zu verkleinern und Kosten zu senken. Die Unicredit bietet für jede Aktie des deutschen Rivalen 0,485 eigene Aktien.

Streit über Strategie der Commerzbank
Die Commerzbank unter Vorstandschefin Bettina Orlopp wirft der Unicredit vor, in den Strategievorschlägen für die deutsche Bank irreführende Darstellungen zu verwenden. Zudem erklärte das Institut, die Umsetzung der Vorschläge würde dem Geschäft schaden. Die Unicredit hat die Kritik zurückgewiesen.

Die Teilnahmequote bei der Commerzbank-Hauptversammlung lag im vergangenen Jahr knapp unter 50 Prozent. Auch damals nahm die Unicredit nicht teil.

EZB prüft mögliche Kontrolle
Die Europäische Zentralbank prüft nach Angaben informierter Personen, ob die Unicredit ab einem Anteil von mehr als 30 Prozent die effektive Kontrolle über die Commerzbank hätte. Hintergrund sei, dass ein erheblicher Teil der Aktien nicht aktiv verwaltet werde. Sollte die Aufsicht zu dem Schluss kommen, dass die Unicredit die Commerzbank kontrolliert, könnte sie die italienische Bank dazu verpflichten, ihre Beteiligung zu konsolidieren. Dies würde höhere Kapitalanforderungen nach sich ziehen, sagten die Personen. (mb/Bloomberg)