Asset Management am Wendepunkt: Renditen allein tragen nicht mehr
Eine Studie der Boston Consulting Group zeigt: Die Branche wächst nach wie vor, aber nur auf tönernen Füßen. Über 80 Prozent des Umsatzwachstums stammen aus gestiegenen Märkten, nicht aus Managerleistung. Was das für Gebühren, Margen und das Geschäftsmodell der Zukunft bedeutet.
Die globale Vermögensverwaltungsbranche steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Das zeigt der "Global Asset Management Report 2026" der Boston Consulting Group (BCG) in seiner 24. Ausgabe. Zwar erreichten die weltweit verwalteten Vermögen (AuM) 2025 einen Rekordwert von 147 Billionen US-Dollar, immerhin ein Plus von elf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch mehr als 80 Prozent dieses Umsatzwachstums gehen auf reine Marktperformance zurück, nicht auf aktives Management oder Nettomittelzuflüsse. Die Botschaft der Unternehmensberater ist klar: Das Erfolgsmodell der vergangenen Jahrzehnte wird die Branche nicht mehr in die Zukunft tragen.
Margen stagnieren seit 15 Jahren
Trotz einer Verdreifachung der verwalteten Vermögen seit 2010 sind die Gewinnmargen der Branche nahezu unverändert geblieben und bewegen sich weiterhin bei rund 30 Prozent. Das Paradox: Zwar stiegen die Umsätze im genannten Zeitraum mit 5,1 Prozent jährlich, die Kosten legten jedoch mit 5,4 Prozent pro Jahr noch schneller zu. Sinkende Gebühren, insbesondere im institutionellen Geschäft um drei Prozent jährlich, sowie der Boom passiver Produkte und ETFs belasten die Marge. Gleichzeitig steigen die Technologiekosten, da Häuser skalierbare Infrastruktur aufbauen müssen.
Gleichzeitig verlagert sich die Wachstumsdynamik fundamental. Retail-Investoren trieben bereits 61 Prozent des globalen AuM-Wachstums zwischen 2020 und 2025. Defined-Contribution-Rentensysteme gewinnen weltweit an Bedeutung, während klassische Defined-Benefit-Strukturen schrumpfen. Allein in den Niederlanden wird das größte Pensionssystem Europas mit 1,8 Billionen Euro bis 2028 von DB auf DC umgestellt. Parallel dazu stehen Asset Manager vor einem beispiellosen Generationenwechsel. Bis 2048 werden in den USA schätzungsweise 124 Billionen US-Dollar zwischen den Generationen übertragen, hin zu immer mehr digital-affinen Anlegern, die über Neobroker, soziale Medien und mobile Plattformen investieren.
Distribution wird entscheidender Wettbewerbsvorteil
Der Zugang zu Vertriebskanälen entscheidet künftig mehr über den Erfolg als die reine Produktperformance, so die BCG-Analyse. Im US-Markt für passive Fonds und ETFs fangen die Top-Ten-Anbieter seit 2015 mehr als 90 Prozent aller Nettomittelzuflüsse ab. Im Private-Equity-Segment konzentrierten sich 2024 bereits 37 Prozent des globalen Fundraisings auf die 50 größten Firmen, im Zehnjahresschnitt waren das noch 22 Prozent. Wer nicht in die Ökosysteme digitaler Plattformen eingebettet sei, werde schlicht nicht mehr berücksichtigt, so die Studienautoren.
Künstliche Intelligenz soll den Ausweg aus der Margenfalle weisen. BCG schätzt, dass agentenbasierte KI-Systeme die Kosten um 25 bis 35 Prozent senken und die Kundenabdeckung je Relationship Manager um das Drei- bis Fünffache steigern könnten. Im Investmentbereich könnte KI die Research-Abdeckung verdoppeln bis verfünffachen und die Sharpe Ratio um fünf bis 20 Prozent verbessern. Doch die Branche hinkt anderen Finanzdienstleistern hinterher. Asset Manager weisen im "KI-Reifegradvergleich" von BCG niedrigere Werte auf als Banken oder Fintech-Unternehmen.
Tokenisierung als nächste Welle
Einen weiteren Strukturwandel sieht der Report in der Tokenisierung realer Vermögenswerte. Tokenisierte US-Staatsanleihen hätten im April 2026 bereits 13,6 Milliarden US-Dollar erreicht, ein Anstieg um 170 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In einem mittleren Szenario erwartet BCG, dass das Gesamtvolumen tokenisierter Realwerte bis 2030 auf 14 Billionen und bis 2035 auf 55 Billionen US-Dollar anwächst. Wer hier früh eine starke Position aufbaue, könne, ähnlich wie bei passiven ETFs, einen "Winner takes most"-Markt prägen. (hh)















