Die Bundesregierung in Berlin hat das Übernahmeangebot der italienischen Großbank Unicredit für die Commerzbank zurückgewiesen und ihre Unterstützung für die Eigenständigkeit des Frankfurter Instituts bekräftigt. Zugleich eskaliert der Konflikt zwischen beiden Banken mit gegenseitigen Vorwürfen und juristischen Schritten.

Die Annahme des Angebots sei "aus finanzieller Sicht keine Option, da es keine angemessene Prämie enthält", teilte die Finanzagentur des Bundes am Dienstag (16.6.) mit. Die Behörde verwaltet den staatlichen Anteil von mehr als zwölf Prozent an der Commerzbank.

Bund verteidigt Eigenständigkeit
Zugleich stellte sie sich ausdrücklich hinter die Unabhängigkeit des Instituts und sprach sich gegen das "aggressive Vorgehen" der Unicredit aus. Die Commerzbank spiele eine wichtige Rolle bei der Finanzierung der deutschen Wirtschaft. Auch ihre Bedeutung als Arbeitgeber am Standort Frankfurt müsse erhalten bleiben.

Die Bundesregierung lehnt eine Übernahme seit Langem ab. Die Unicredit hatte vor knapp zwei Jahren erstmals ihren Einstieg bei der Commerzbank offengelegt und im März ein offizielles Übernahmeangebot vorgelegt. Die Offerte läuft zwar zunächst am Dienstag (16.6.) aus, dürfte aber nach deutschem Übernahmerecht um zwei Wochen verlängert werden.

Vorwürfe beschäftigen Staatsanwaltschaft
Parallel dazu verschärft sich die Auseinandersetzung um die Kommunikation beider Banken. Der Betriebsrat der Commerzbank kündigte an, gegen Verantwortliche der Unicredit Strafanzeige zu erstatten. Hintergrund ist der Verdacht, die italienische Bank habe den Markt möglicherweise in die Irre geführt.

Bereits zuvor hatte die Commerzbank die Finanzaufsicht Bafin eingeschaltet. Dabei ging es um die Frage, ob die Unicredit sich unzulässigerweise Aktien zugerechnet haben könnte, die von Gegenparteien von Derivategeschäften gehalten werden. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt teilte inzwischen mit, sie wolle die Kommunikation zwischen der Unicredit und der Bafin prüfen. Ein Ermittlungsverfahren gibt es bislang jedoch nicht.

Die Unicredit reagierte ihrerseits mit einer Forderung an die Bafin, auch die Marktkommunikation der Commerzbank in dieser Angelegenheit zu untersuchen.

Aufsichtsrats-Drohung verärgert Commerzbank
Für zusätzliche Spannungen sorgten jüngste Äußerungen der Unicredit. Das Institut hatte erklärt, bei ausreichender Unterstützung durch Aktionäre auf der Hauptversammlung sämtliche Anteilseignervertreter im Aufsichtsrat wählen zu können. Dieser sei wiederum für die Bestellung des Vorstands zuständig.

Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp kritisierte die Aussagen scharf. Die jüngsten Äußerungen der Unicredit seien bemerkenswert, da sie Unruhe in einem laufenden Verfahren stifteten und die Frage aufwürfen, wie verlässlich die Angaben der Italiener seien. Man sei "irritiert" über die jüngste Mitteilung.

Die Unicredit warf dagegen der Commerzbank vor, "fortgesetzt und unablässig (...) unzutreffende und irreführende Informationen" über das als feindlich betrachtete Übernahmeangebot zu verbreiten. Die negativen Äußerungen hätten "lediglich den Zweck, von den Vorzügen der Transaktion und den erheblichen Vorteilen abzulenken, die ein Zusammenschluss von Hypovereinsbank und Commerzbank für Aktionäre, weitere Interessengruppen und Deutschland bringen könnte". (mb)