Anthropic strebt Insidern zufolge womöglich bereits für Mitte November den Gang an die Börse an. Der Entwickler des KI-Modells Claude hatte seine Pläne für eine Notierung zuvor nach hinten verschoben. Das Unternehmen könnte dem Vernehmen nach bereits in der Woche ab dem 9. November mit der offiziellen Vermarktung seines Börsengangs beginnen.

Damit wäre ein Handelsstart noch vor Thanksgiving möglich. Rund um den Feiertag am 26. November kommt das Geschäft mit Kapitalmarkttransaktionen üblicherweise weitgehend zum Erliegen. Spätestens soll das Börsendebüt den Insidern zufolge bis Ende des Jahres über die Bühne gehen. Die Beratungen laufen noch. Der Zeitplan könnte sich auch noch verschieben.

Wettbewerb mit OpenAI nimmt zu
Anthropic war über weite Strecken dieses Jahres auf dem Vormarsch, sieht sich inzwischen aber wieder stärkerem Wettbewerb ausgesetzt. Der ChatGPT-Entwickler OpenAI hat in den vergangenen Monaten beim Umsatz an Dynamik gewonnen. Zugleich stehen die Unternehmen nach einer Reihe viel beachteter Hackerangriffe durch außer Kontrolle geratene KI-Agenten zunehmend im Fokus der öffentlichen Debatte über KI-Sicherheit. Damit wächst auch die Sorge darüber, welche Folgen dies für Anthropics Börsendebüt haben könnte.

Anthropic-Chef Dario Amodei hat auf seiner persönlichen Website ein Essay veröffentlicht, in dem er dafür plädiert, das Tempo der Fortschritte neuer KI-Modelle zu verlangsamen. Anthropics Hauptrivale OpenAI hat seine Pläne für einen Börsengang dagegen verschoben. CEO Sam Altman vertritt die Ansicht, dass ein Börsengang zum jetzigen Zeitpunkt nicht ratsam wäre.

Bewertung von bis zu zwei Billionen Dollar
Potenzielle Investoren scheint diese Sorge nicht abgeschreckt zu haben. Einige der Insider halten für Anthropic eine faire Bewertung in einer Größenordnung von 1,8 Billionen bis zwei Billionen Dollar für angemessen. Das Unternehmen erwartet, beim Volumen seines Börsengangs mindestens die Größenordnung des SpaceX-IPO zu erreichen oder zu übertreffen, wie "Bloomberg News" berichtet.

Anthropic hat 2025 einen Nettoverlust von fast 42 Milliarden Dollar verbucht. Das war rund fünfmal so viel wie die etwa 8,3 Milliarden Dollar Verlust im Jahr zuvor, wie "Bloomberg News" im August berichtete. Gleichzeitig stieg der Jahresumsatz 2025 deutlich auf rund 4,6 Milliarden Dollar, von 386 Millionen Dollar im Vorjahr. Der operative Verlust schwoll allerdings auf mehr als acht Milliarden Dollar an, wie aus Dokumenten hervorgeht, die "Bloomberg News" eingesehen hat.

Milliardenverlust durch Neubewertung von Verbindlichkeiten
Der größte Teil des Nettoverlusts ging auf einen sprunghaften Anstieg bei der Veränderung des fairen Werts von Anthropics Verbindlichkeiten zurück. Dieser Posten machte den Dokumenten zufolge mehr als 34 Milliarden Dollar des Jahresverlusts aus.

Die Nachrichtenagentur "Reuters" hatte zuvor bereits einige Einzelheiten zur Bewertung beim Börsengang und zu den Finanzzahlen berichtet. Ein Vertreter von Anthropic konnte auf eine Bitte um Stellungnahme zunächst nicht reagieren.

Treffen mit potenziellen Investoren geplant
Zur Vorbereitung des Börsengangs will Anthropic am 14. Oktober in seiner Zentrale in San Francisco mit potenziellen Investoren zusammentreffen, wie zu hören ist. Würde das Unternehmen mit seinem IPO wie geplant voranschreiten, würde es sich damit über eine Serie von Verzögerungen und Verschiebungen am Markt für Börsenneulinge hinwegsetzen. (mb/Bloomberg)