Beim Edelmetallhändler PIM Gold dürften rund zehntausend Anleger weit über hundert Millionen Euro verloren haben. Laut jüngsten Berichten stehen Ansprüchen von 155 Millionen Euro nur Vermögenswerte von 17 Millionen Euro gegenüber. Bisher ging man nur von deutschen Betroffenen aus. Offenbar wurden die PIM-Gold-Produkte aber auch in Österreich vertrieben.

FONDS professionell ONLINE liegen Unterlagen vor, wonach die Kundin eines oberösterreichischen Vermögensberaters den Großteil ihrer liquiden Mittel in PIM Gold investiert und das gesamte Geld verloren hat. Sie fordert Schadenersatz von dem Vermögensberater.

Nicht insolvenzgeschützt – 80 Prozent des freien Vermögens weg
Wie aus einem anwaltlichen Aufforderungsschreiben hervorgeht, hat der Vermögensberater unter anderem auf seiner Homepage das Investment in PIM Gold als "insolvenzgeschützt" beworben. Allerdings, so argumentiert der Rechtsvertreter der Kundin, sei für einen Fachmann ersichtlich, dass es keine Einzeldepotführung je Kunde gegeben hatte. Damit hätte dem Berater klar sein müssen, dass die Anleger gar kein "aussonderungsfähiges Eigentum" erwerben, meint der Anwalt. Das heißt, dass die Anleger bei einer Insolvenz das Gold nicht aus der Insolvenzmasse ausklammern und für sich beanspruchen können.

Die Mandantin habe auf Anraten des Vermögensberaters 7.500 Euro – 80 Prozent ihrer liquiden Mittel – in PIM Gold investiert. Allein wegen der nicht ausreichenden Risikostreuung sieht der Anwalt der Anlegerin eine Haftung des Vermögensberaters für zwei Drittel des Schadens.

Gutachterfrage
Der Vermögensberater hingegen argumentiert laut den Unterlagen, dass es Gutachten gab, die die komplette Deckung der Goldbestände bestätigten. Seine Homepage ist derzeit nicht erreichbar. Die Gutachter-Bestätigung erinnert jedenfalls an den Gold-Professionell-Skandal, wo die Bestände ebenfalls von einem externen Notar beglaubigt worden waren. Der Experte hatte die Richtigkeit allerdings nie vor Ort überprüft.

Vermögensberater, die auf ein Gutachten vertraut haben, könnten die Gutachter verklagen, sagt der Wiener Anwalt Johannes Neumayer, dessen Kanzlei (Neumayer, Walter, Haslinger) die geschädigte Kundin vertritt, gegenüber FONDS professionell ONLINE. Es bestünden gute Chancen auf Erfolg. Die Kanzlei hatte bereits Urteile gegen den Gutachter im Gold Professionell-Skandal erwirkt.  

Alarmglocken sollten läuten, wenn kein Depotvertrag besteht
Neumayer erklärte gegenüber der Redaktion, dass die Vermögensberater bei Sachwerten genau auf die Besitzverhältnisse achten sollten. Demnach müssten bereits die Alarmglocken klingeln, wenn es keinen direkten Verwahrungsvertrag der Depotstelle mit dem Kunden gibt. Ein Container, eine Münze oder ein Goldinvestment könne ohne Einzelvertrag nicht spezifisch einem Kunden zugeordnet werden. "Dann ist es aus mit der Sicherung des Eigentums beim Konkurs der Anlagegesellschaft", warnt Neumayer.

In der Regel werde der Vermögensberater nicht für die Veruntreuung der Gelder selbst haften, aber sehr wohl für die Nichtaufklärung darüber, dass das Investment nicht die angekündigte Sicherheit bringt, so der Anwalt. (eml)