Bei einer Verschmelzung werden die Anteilseigner des verschmolzenen Fonds Anteilseigner des aufnehmenden Fonds. Damit dieser Vorgang für den Investor KESt-frei bleibt (und nicht als Verkauf der Anteile gewertet wird), beziehungsweise damit der Fonds weiter als steuerfreier Altbestand gilt, müssen mehrere Voraussetzungen erfüllt werden. Eine davon ist, dass die letzten ausschüttungsgleichen Erträge noch einmal gemeldet werden. Dies geht sich in der Praxis häufig nicht fristgerecht aus.

Das Problem ist, dass der Zeitpunkt, wo in der Fondsbuchhaltung fix diese Erträge berechnet, bei der OeKB gemeldet und dann der jeweiligen Bank, bei der die Fondsanteile liegen, bekannt sein müssen, derartig knapp bemessen ist, dass die Fondsgesellschaften das oft nicht schaffen. "Das ist so, als müssten Sie die Jahressteuererklärung für 2018 schon am 3. Dezember abgeben", sagt die Investmentfonds- und Steuerexpertin Nora Engel-Kazemi.

"Mühsame KESt-Rückforderung"
Die Fondsrichtlinien 2018 ermöglichen in diesem Fall eine "pauschale Vorwegbesteuerungsmöglichkeit", so die Fachfrau. Die Konsequenz ist aber, dass der Anleger dann wiederum eine Einkommensteuererklärung machen muss, um eine Besteuerung aufgrund der erst später endgültig feststehenden Werte zu erreichen. Zwar sei es positiv, dass es die Möglichkeit gebe, "wenn einmal zu früh zu viel KESt einbehalten wurde, das über die Einkommensteuer wieder zu korrigieren". Diese Rückführung sei aber oft "ein steiniger Weg für den Investor", so Engel-Kazemi. Sie wünscht sich eine "praxisnahe Lösung".

"Wir sehen immer wieder Fälle, wo es aufgrund der zeitlichen Herausforderung nicht optimal läuft für den Investor, oder ablaufen kann seitens der Bank. Was wir uns wünschen, ist, dass die Bank, die den KESt-Abzug durchführt, das mittels einer Korrekturmeldung für den Investor regeln kann", sagt die Expertin im Gespräch. Das würde verhindern, dass Fondskunden in die Steuererklärung geschickt werden: "Die Anleger haben ja oft gar keine anderen Einkünfte, die eine Erklärung nötig machen, sondern nur diese überschießende Besteuerung aufgrund Zusammenlegung von Fonds“.

Diskussion mit dem Finanzministerium
Es gebe aktuell Diskussionen zwischen dem Finanzministerium und Marktteilnehmern, wie man das Problem optimal lösen kann, so Engel-Kazemi, die sich eine Lösung in den kommenden Monaten erhofft. Sie hat soeben mit anderen Autoren aus der universitären Lehre so wie aus der Praxis ein Buch zur Fondsbesteuerung verfasst, das noch heuer erscheint. "Investmentfonds – Aufsicht und Besteuerung", zeigt sehr Anwender-orientiert, was Privatanleger, Institutionelle, Stiftungen oder andere Investorenklassen nach den zahlreichen Änderungen der vergangenen Jahre steuerlich beachten müssen. Auch die über eine Dekade erwarteten neuen Investmentfondsrichtlinien 2018 sind darin eingearbeitet. (eml)

Hinweis: Mehr über das Buch und Neuerungen in der Besteuerung von Investment- und Immobilienfonds lesen Sie in der kommenden Printausgabe 1/2019 von FONDS professionell.