Jeder Anleger hat, unabhängig von seiner Vermögenssituation, eine gute Beratung verdient – und dazu gehört, dass der Anlageberater seine Meinung auch dann kundtut, wenn der Kunde offensichtlich anders denkt. "Manchmal muss man dem Kunden widersprechen und ihn dazu bringen, noch einmal zu reflektieren", sagt Hermann Wonnebauer, Vorstandschef der Zürcher Kantonalbank Österreich. Als Berater sei man immer auch Pädagoge, der mit Rat und Tat zur Seite steht.

Der persönliche Aspekt in der Beratung ist und bleibt laut Wonnebauer unersetzbar. Zwar nehme Technologie einen immer höheren Stellenwert ein – nicht immer jedoch zum Vorteil für den Kunden. "Hochfrequenzprogramme, die versuchen, an der Börse Gewinne zu erzielen, halte ich für gefährlich." Kunden sollten grundlegende Anlageentscheidungen nicht per Knopfdruck treffen. Von digitalen Robos also scheint Wonnebauer demnach ebenfalls wenig angetan zu sein.

Privatanleger verfügten heutzutage teilweise war über gute Finanzkenntnisse. Diese können hilfreich sein, seien aber nicht immer ein Segen. "Zum Fluch wird es, wenn man denkt, allein mit einem Basiswissen langfristig erfolgreich sein zu können. Das passiert häufig bei lange steigenden Märkten, wie wir sie seit 2009 beobachtet haben", sagt Wonnenbauer. Die Rekordrally habe die Wahrnehmung vieler Anleger verzerrt. 

Vorsicht vor zu viel Emotionen
Die Digitalisierung habe auch dazu geführt, dass sich Anleger rund um die Uhr mit aktuellen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen beschäftigen können. "Das macht manchmal kurzsichtig, emotional verwundbar und wankelmütig", sagt Wonnebauer. In solchen Situationen würden viele zu vorschnellen Handlungen neigen. "Daher ist es sinnvoll, die Entscheidungen an Profis abzugeben", sagt er. Berater könnten von Emotionen weitgehend unberührt agieren und würden so weniger zu irrationalen Entscheidungen neigen. (fp)