Die aus der österreichischen Banktochter der Hypo Alpe Adria hervorgegangene Anadi Bank kommt auch nach häufigen Führungswechseln nicht zur Ruhe. Nun soll das klassische Bankgeschäft verkauft werden. In einem Bieterverfahren werden die Bereiche Retail Banking, Corporate Banking und Public Finance angeboten, teilt das Kreditinstitut mit. Betroffen sind laut den Angaben rund 50.000 "oftmals langjährige Kundenbeziehungen". Die Bilanzsumme des zur Veräußerung stehenden Bereichs beläuft sich demnach auf rund 2,2 Milliarden Euro, "bei sehr geringen Risikokosten und attraktiven Margen", wie die Bank verspricht.

Anadi soll nun zu einer Onlinebank werden. Die Banking-Kooperation "Marie" mit den österreichischen Trafiken bleibt. Vorstandschef Christian Kubitschek erklärt, Anadi werde sich rein auf die digitale Geschäftsstrategie konzentrieren. In der Bank verbleiben demnach nur rund 10.000 Kunden, eine Bilanzsumme von 500 Millionen Euro sowie das Eigenkapital. Wie hoch die aktuelle harte Kernkapitalquote ist, geht aus den Angaben nicht hervor. Zum 31. Dezember 2021 lag sie laut Geschäftsbericht bei 12,65 Prozent. Das ist unter dem österreichischen Durchschnitt mit rund 16 Prozent.

Verhandlungen über Jobs
Im Rahmen des Verkaufsprozesses sollen mindestens 100 der zurzeit 230 Arbeitsplätze (Vollzeitäquivalente) bei der Digitalbank bleiben. Mindestens 70 Arbeitsplätze sollen vom Käufer übernommen werden. Über die Übernahme von weiteren Beschäftigten durch den Käufer soll verhandelt werden. Sollten dennoch Arbeitsplätze abgebaut werden müssen, kündigt Kubitschek Verhandlungen mit dem Betriebsrat über einen fairen und ausgewogenen Sozialplan an.

Die Bank verweist auf ein "prognostiziertes Halbjahresergebnis 2022" von fast fünf Millionen Euro. Es handle sich um mehr als das Vierfache des vorangehenden Gesamtjahres. Bei gleichbleibendem Zinsumfeld sei 2022 ein Nachsteuergewinn von bis zu zwölf Millionen Euro zu erwarten, so die Bank. In den kommenden Jahren sollen in der Vergangenheit begebene besicherte Anleihen abreifen, die derzeit noch mit rund acht Millionen Euro auf dem Ergebnis lasten. "Das Management der Bank erwartet daher großes Interesse im Bieterverfahren", heißt es.

Bieterverfahren beginnt
Das Bieterverfahren, zu dem "eine ausgewählte Anzahl heimischer Banken" eingeladen werden soll, wird von Confidum Financial Management Consultants begleitet. Die Frist für Angebote läuft bis Ende Juli. Der Abschluss der Transaktion wird für das dritte Quartal 2022 angestrebt. Die Transaktion und Neuausrichtung bedürfen noch der üblichen regulatorischen Genehmigungen.

Anadi ist aus ihrer Geschichte heraus noch immer die Hausbank des Landes Kärnten. Unter anderem managt das Kreditinstitut die Wohnbauförderungen so wie die Infrastruktur-Finanzierungen. Das Land Kärnten hatte laut dem Geschäftsbericht der Bank zum 31. Dezember 2021 noch Haftungen für unbefristete Verbindlichkeiten der Anadi Bank in Höhe von 13,7 Millionen Euro. Bei der Arbeiterkammer Kärnten kritisierte ein Sprecher gegenüber der Redaktion, dass die Kunden von der Bank nicht informiert wurden und Verunsicherung herrsche. Es müsse unter anderem rasch geklärt werden, welche Auswirkungen der Verkauf auf die Bezieher von Wohnbauförderungen des Landes Kärnten hat. (eml)

Update 9.6.2022, 11:28