Die Übernahme der Unicredit-Fondstochter Pioneer Investments durch den französischen Riesen Amundi hat auch den österreichischen Markt bewegt. Die Nummer drei unter den heimischen Verwaltungsgesellschaften heißt nun nicht mehr Pioneer Investments Austria, sondern Amundi Austria. Und die hat hochfliegende Pläne. Werner Kretschmer, langdienender Pioneer-Mann und nun CEO der österreichischen ­Amundi-Tochter, erzählt im Gespräch mit FONDS professionell, dass sein Haus Nummer eins werden will. "Wir streben in Österreich die Marktführerschaft an. Wir sehen einiges Potenzial und haben das Rüstzeug dazu. Wir wollen die gesamte Produktpalette von Amundi anbieten“, so Kretschmer.

Hohe private Sparvermögen
Österreich sei aus Sicht von Amundi ein "besonderer Markt“. Zum einen rechnet sich die Amundi-Führung, die mit der Pioneer-Übernahme nicht zuletzt den Retail-Anteil erhöhen wollte, hier Chancen aus, weil sehr hohe Geldbeträge auf Sparbüchern liegen. "Im Publikumsgeschäft stehen wir vor der Situation, dass es ein privates Geldvermögen von etwa 660 Milliarden Euro gibt, wovon sich nach wie vor zirka 42 Prozent in Spareinlagen befinden und etwa zehn Prozent in Investmentfonds", sagt Kretschmer. Außerdem gebe es spezielle Produktbedürfnisse, weil die Vermögensbildung vor allem in älteren Kundenschichten stattfindet und weil gleichzeitig die österreichischen Kunden sehr nachhaltigkeits-affin seien.

Amundi steht punkto Nachhaltigkeit mit einem eigenen Schwerpunkt bereit: Bis 2021 sollen alle Fonds nach ESG-Kriterien gemanagt werden. In den passiven Anlagen soll das ESG-Volumen auf 70 Milliarden Euro verdoppelt werden.

Bawag und Bank-Austria Kooperation
Ein Spezifikum am österreichischen Markt sei auch, dass die Retailkunden vor allem über Partnerbanken bedient werden. Nach der Verschmelzung von Amundi, die seit je mit der Bawag PSK kooperiert und Pioneer, deren Kooperationspartner die Bank Austria war, gehören nun zwei große Banken zum Vertriebsnetzwerk. Eine Strategiewende der Bawag PSK – die ja auch den Kooperationspartner Post gekündigt hat – erwartet Kretschmer nicht.

Nach der Fusion gibt es für Amundi noch viel Arbeit. Unter anderem wird die Fondspalette weiter bereinigt – sowohl die Luxemburger als auch die in Österreich gemanagten Fonds. Das lokale Fondsmanagement bleibt aber, insbesondere auch, weil dieses zugeschnittene Produkte für die Partnerbanken liefert (siehe Klickstrecke oben).

Die Umstellung sei über die Bühne gegangen, ohne, dass die Kunden etwas mitbekommen haben, sagt Kretschmer: "Eine Bestätigung dafür ist auch der erneute Gewinn des FONDS professionell Service-Awards. Ich bin stolz auf die Teamleistung“, so Kretschmer. (eml)


Das gesamte Interview lesen Sie in der aktuellen Heftausgabe von FONDS professionell 1/2019, die Abonnenten dieser Tage zugestellt wird. Darin erklärt Kretschmer auch, was sich nach der Fusion für die Pioneer-Mannschaft so wie für den Vertrieb geändert hat.