Die Deutsche Bank hat sich in einem Rechtsstreit, der im Zusammenhang mit der 2009 in Schieflage geratenen italienischen Bank Monte dei Paschi di Siena (MPS) steht, mit einem von sechs klagenden ehemaligen Investmentbankern außergerichtlich geeinigt. Das berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf fast gleichlautende Stellungnahmen der Bank sowie der Anwälte des Klägers.

Demnach haben beide Seiten alle Forderungen und Vorwürfe, die der Kläger Michele Foresti zuvor gegen das Geldhaus erhoben hatte, beigelegt. Die Angelegenheit sei vertraulich geregelt worden. "Wir werden uns zu dieser Angelegenheit daher nicht weiter äußern", so ein Sprecher der Deutschen Bank gegenüber der Zeitung. Zur Höhe der Vergleichssumme machte ebenfalls keine der beiden Seiten eine Angabe.

"Italien-Affäre"
Worum geht es? Foresti ist einer von sechs früheren Investmentbankern der Deutschen Bank, die das Institut auf Schadenersatz verklagten – darunter Michele Faissola, zuletzt bis 2015 Vermögensverwaltungschef der Bank. Alle waren 2008 Teil eines Teams, das den Kauf der Bank Antonveneta durch die MPS organisiert hatte, welche danach in finanzielle Schieflage geriet. Dieses Geschäft, bankintern "Santorini" genannt, zog in Italien einen Strafprozess nach sich, weil den Managern Hilfe beim Frisieren der Bilanzen der MPS vorgeworfen wurde.

Mehrere dieser "Santorini"-Banker wurden 2019 in erster Instanz wegen des Vorwurfs der Marktmanipulation verurteilt, berichtet das "Handelsblatt" weiter. 2022 sprach ein Berufungsgericht aber alle verurteilten Deutsche-Bank-Mitarbeiter frei. Der Oberste Gerichtshof Italiens bestätigte diese Freisprüche 2023. Sechs der Banker verklagten daraufhin die Deutsche Bank, Foresti ging in London vor Gericht. 

"Im besten Interesse der Bank"
Wie Foresti argumentierte, ist der Zeitung zufolge nicht bekannt. Der in Frankfurt klagende Ex-Banker Dario Schiraldi argumentierte aber offenbar, das Institut habe ihn und die anderen Deutsch-Banker in der ersten Instanz in Italien absichtlich schlecht verteidigt und Unwahrheiten verbreitet, um Ärger mit der Finanzaufsicht Bafin und der US-Notenbank Fed zu vermeiden. Die Deutsche Bank bestreitet das: "Die Bank hält alle diese Klagen für unbegründet und wird sich entschlossen dagegen verteidigen", zitiert die Zeitung das Geldhaus.

Dennoch gibt es nun eine Einigung mit Foresti. "Es ist übliche Praxis, zu prüfen, ob ein Vergleich, der rechtliche Ungewissheiten ausräumt, im besten Interesse der Bank ist", sagte der Sprecher dem "Handelsblatt". Diese Prüfung beziehe sich immer auf den Einzelfall, stellte er klar. "Es ist daher nicht angebracht, zu versuchen, aus einem Vergleich Rückschlüsse auf andere Rechtsfälle zu ziehen." Der Zeitung zufolge deutet das darauf hin, dass die Bank in den anderen Fällen nicht kurz vor einem Vergleich steht. (jb)