Wer sich schon immer mal ein Traditions-Geldhaus zulegen wollte, hat jetzt die Chance: Mit der toskanischen Monte dei Paschi (MPS) steht derzeit die älteste Bank der Welt zum Verkauf. Wie die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) berichtet, sucht der aktuelle Besitzer, der italienische Staat, nach einem Käufer. Es könnte allerdings schwierig werden, Interessenten zu finden. Denn die Altlasten des Kreditinstituts mit Sitz in Siena wiegen schwer. Der Bank drohen laut SZ Schadenersatzforderungen in Höhe von zehn Milliarden Euro. Überdies hat die Coronakrise die laufende Sanierung ausgebremst. Im ersten Halbjahr 2020 verzeichnete das Geldhaus eine Milliarden Euro Verlust durch Sonderfaktoren. Frühestens im Jahr 2022 rechnen die Sienesen wieder mit schwarzen Zahlen.

Rom war im Jahr 2017 mit 5,4 Milliarden Euro bei MPS eingestiegen und bekam dafür 68,5 Prozent der Anteile. Die ehemals drittgrößte Bank Italiens wurde so in letzter Minute vor dem Kollaps gerettet. Dass der Staat nun wieder aussteigen will, liegt an einer Vereinbarung mit der EU-Kommission: Demnach muss Rom seine Anteile bis spätestens Ende 2021 verkaufen. Das könnte indes aus mehreren Gründen schwierig werden. Nicht nur, dass die Bank momentan nicht profitabel ist. Darüber hinaus stemmt sich die populistische Fünf-Sterne-Bewegung, Teil der aktuellen Regierungskoalition, gegen die Pläne des sozialdemokratischen Finanzministers Roberto Gualtieri, der bis Dezember einen Käufer gefunden haben will.

Pleiten, Pech und Bilanzfälschungen
So lang die Geschichte der MPS ist, so turbulent war sie in jüngerer Zeit. Bereits im Jahr 2007 geriet das Institut in Schieflage, nachdem es sich für einen überzogenen Preis die Regionalbank Antonveneta einverleibt hatte. Italiens Steuerzahler mussten die MPS mit Milliardenkrediten vor der Pleite retten. Im Jahr 2011 kam dann ein Skandal um Bilanzfälschungen und Korruption ans Licht. Die damalige Führungsriege der Bank wurde inzwischen zu hohen Haftstrafen verurteilt, berichtet die SZ. Sechs Jahre kämpfte die MPS ums Überleben – bis der Staat einsprang. Nun steht die Traditionsbank einmal mehr an der Schwelle zu einem neuen Kapitel. (fp)