Der Strafprozess rund um die Causa Wienwert wird in der zweiten Jännerhälfte 2026 am Straflandesgericht Wien beginnen. Das berichtete "ORF.at".

Der angeklagte Schaden liegt bei 28,9 Millionen Euro. Es geht um Delikte wie gewerbsmäßigen schweren Betrug, Untreue, betrügerische Krida, Bestechung, Verletzung des Amtsgeheimnisses und unvertretbare Darstellung wesentlicher Unternehmensinformationen.

Gruze, Mahrer, Nevrivy
Angeklagt sind elf Personen, darunter Ex-Geschäftsführer Stefan Gruze und der Wiener SPÖ-Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy (Donaustadt) sowie der ehemalige ÖVP-Wien-Chef Karl Mahrer und seine Ehefrau.

Gruze wird ein Geflecht aus Täuschung, Vermögensverschiebung und Vorteilsgewährung vorgeworfen. Er soll die Wienwert-Gesellschaft als wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen beworben haben, dabei aber gleichzeitig deren Zahlungsunfähigkeit verschwiegen haben. Zudem soll er laut Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) Investoren getäuscht, mit Geld des Unternehmens private Rechnungen bezahlt und ungerechtfertigte Bonuszahlungen an sich selbst veranlasst haben.

Deals mit der Politik
Mahrers Ehefrau wiederum soll über ihre Werbeagentur hohe Geldbeträge ohne konkrete Gegenleistung von Wienwert erhalten haben, wobei die Staatsanwälte vermuten, dass Wienwert sich damit politische Vorteile durch Karl Mahrer erhoffte. SPÖ-Bezirksvorsteher Nevrivy soll einen geplanten Remisestandort der Wiener Linien verraten haben. Wienwert erwarb das Grundstück, woraufhin die Wiener Linien es überteuert zurückkaufen mussten. Es gilt die Unschuldsvermutung für alle Genannten.

Die Wienwert Holding war im Februar 2018 in den Konkurs gegangen. Ermittlungen führt die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) schon seit Herbst 2017. Diversionsangebote haben in der Causa bereits der FPÖ-Nationalratsabgeordnete Markus Tschank und Wiens ehemaliger Vizebürgermeister Johann Gudenus (ebenfalls FPÖ) erhalten.

Hochverzinste Produkte
Aufmerksam verfolgen werden den Prozess auch viele Kleinanleger. Wienwert hatte Anleihen ausgegeben, deren hohe Verzinsung von mitunter 8,5 Prozent bereits auf hohe Risiken hindeutete. Wegen der unlauteren Bewerbung dieser Produkte gab es lange vor der Insolvenz erfolgreiche Klagen gegen das Unternehmen. Wienwert hatte unter anderem unsachgemäß mit grundbücherlichen Sicherheiten oder Attributen wie treuhandgesichert, prospektgeprüft geworben. (eml)