Abwehrkampf: KI soll Stellenabbau bei Commerzbank beschleunigen
Die Commerzbank bereitet laut Insidern ambitioniertere Ziele und tiefere Einschnitte vor. Damit will sich das Institut gegen die Unicredit behaupten.
Die Commerzbank dürfte deutlich schärfere Stellenstreichungen und ambitioniertere Finanzziele bekannt geben, um ihre Aktionäre davon zu überzeugen, das 35 Milliarden Euro schwere Übernahmeangebot der Unicredit abzulehnen.
Wenn das deutsche Geldhaus am Freitag (8.5.) die Zahlen für das erste Quartal vorlegt, dürfte es voraussichtlich einige Ziele für dieses Jahr anheben. Das berichtet "Bloomberg" unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Hintergrund seien etwas günstigere Zinsbedingungen. Mittelfristig dürfte die Zahl der Beschäftigten stärker sinken als bislang geplant – auch mithilfe des Einsatzes von KI-Tools, so die Insider.
Eine Sprecherin der Commerzbank wollte sich dazu nicht äußern.
Orlopp verschärft Verteidigung
Vorstandschefin Bettina Orlopp will zudem neue Finanzziele für die kommenden fünf Jahre vorstellen und damit ihre Abwehr gegen die Unicredit und deren CEO Andrea Orcel verstärken.
Bislang habe sie die Profitabilitäts- und Ausschüttungsziele erfüllt oder übertroffen, die nach dem ersten Vorstoß der italienischen Bank im Jahr 2024 gesetzt worden waren. Die Aktien der Commerzbank haben sich seitdem nahezu verdreifacht, wodurch eine Übernahme für die Unicredit teurer geworden ist. Der Wert der Unicredit-Aktien hat sich in dieser Zeit verdoppelt.
Ein niedrig angesetztes Angebot der italienischen Rivalin, das Anfang dieser Woche gestartet wurde, dürfte laut dem Bericht von nur wenigen Investoren angenommen werden. Die Bedingungen implizierten einen Kaufpreis unterhalb des aktuellen Börsenwerts der Commerzbank.
Analysten sehen weiteres Kurspotenzial
"Wir erwarten, dass die Commerzbank ein solides Zahlenwerk vorlegen wird", schrieben die KBW-Analysten Thomas Hallett und Mo Ghalayini in einer Mitteilung. "Mit wachsendem Vertrauen in die Entwicklung des Nettozinsertrags sehen wir Spielraum für weitere Kursanstiege."
Von "Bloomberg" befragte Analysten erwarten für das erste Quartal einen Anstieg des Nettogewinns um drei Prozent. Für das Gesamtjahr rechnen sie mit einer Eigenkapitalrendite auf das materielle Eigenkapital von 11,3 Prozent und damit leicht oberhalb der bisherigen Prognose der Commerzbank von mehr als 11,2 Prozent.
Streit über Strategie und Werbung
Die Unicredit erklärt, die Profitabilität der Commerzbank durch Einsparungen in Bereichen wie Strategie, Finanzen, Risikomanagement, Compliance und IT steigern zu können. Sollte die Commerzbank unabhängig bleiben und den Plan übernehmen, rechnet Unicredit mit 5.000 Stellenstreichungen. Im Falle einer Fusion würden weitere 2.000 Arbeitsplätze wegfallen, womit sich die Gesamtzahl auf 7.000 summieren würde.
Die Commerzbank erklärte, sie prüfe die Details des Angebots, bevor sie Stellung nehme. Zuvor hatte sie vor erheblichen Kundenverlusten gewarnt und erklärt, die Unicredit wolle das erfolgreiche Geschäftsmodell eines Konkurrenten zerschlagen.
Zudem kritisierte die Commerzbank das Vorgehen der Unicredit als "feindselige Taktiken" sowie deren Aussagen über die deutsche Bank als "irreführend". Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat die Unicredit angewiesen, im Zusammenhang mit dem Angebot keine "irreführende Werbung" mehr zu veröffentlichen. Zuvor hatte die Bank Beiträge in sozialen Medien veröffentlicht, die laut Bafin "Spekulationen über die finanzielle Lage der Commerzbank" enthielten. (mb/Bloomberg)















