Die Deutsche Bank hat eine Exponierung von rund 26 Milliarden Euro im Private-Credit-Markt ausgewiesen – einer Anlageklasse, die derzeit mit Fondsrückgaben, wachsender Kritik an Kreditvergabestandards und möglichen Auswirkungen von künstlicher Intelligenz auf einige Kreditnehmer wie Softwarefirmen konfrontiert ist.

Das Private-Credit-Portfolio der Bank wuchs im vergangenen Jahr auf 25,9 Milliarden Euro an Krediten zu fortgeführten Anschaffungskosten, nach 24,5 Milliarden Euro im Jahr 2024. Das geht aus dem am Donnerstag (12.3.) veröffentlichten Geschäftsbericht hervor.

Das Institut erklärte, es sei keinen signifikanten Risiken im Zusammenhang mit nichtbanklichen Finanzinstituten ausgesetzt. Allerdings könnten über miteinander verbundene Portfolios und Gegenparteien potenzielle indirekte Risiken entstehen.

Private-Credit-Markt gerät unter Druck
Der rund 1,8 Billionen US-Dollar große Private-Credit-Markt erlebt derzeit einen Rückzug von Investoren. Mehrere spektakuläre Unternehmensprobleme haben Sorgen über die Kreditqualität sowie über Engagements bei Softwareunternehmen verstärkt, deren Geschäftsmodelle durch schnelle Fortschritte bei künstlicher Intelligenz unter Druck geraten könnten.

JP Morgan Chase hat nach Abschreibungen auf bestimmte Kredite in den Portfolios einiger Private-Credit-Fonds damit begonnen, Teile seiner Kreditvergabe an solche Fonds einzuschränken.

Jüngste Ausfälle verstärken Sorgen
Der jüngste Schock für Banken und private Kreditgeber war der Zusammenbruch des britischen Hypothekenanbieters Market Financial Solutions, gegen den Vorwürfe betrügerischen Verhaltens erhoben wurden. Bereits im vergangenen Jahr gab es Anschuldigungen im Zusammenhang mit den Insolvenzen des US-Autoteilezulieferers First Brands Group und des Subprime-Autokreditgebers Tricolor Holdings.

"Der Zusammenbruch einiger Subprime-Kreditgeber in den USA hat den Fokus der Investoren stärker auf Risiken im Private Credit gelenkt und zugleich breitere Sorgen über Kreditvergabestandards und Betrugsrisiken ausgelöst", erklärte die Deutsche Bank in ihrem Bericht.

Vergleich mit US-Banken
Mit einer Exponierung von rund 30 Milliarden Dollar gehört die Deutsche Bank im Vergleich zu Wall-Street-Konkurrenten zu den größeren Kreditgebern in dieser Anlageklasse.

US-Banken hatten laut Moody's Ratings bis Ende Juni etwa 300 Milliarden Dollar an Private-Credit-Anbieter verliehen. Wells Fargo führt die Gruppe mit rund 60 Milliarden Dollar Engagement an.

Hohe Verflechtung mit Finanzintermediären
Eine im Dezember veröffentlichte Analyse der UBS zeigte, dass die Deutsche Bank unter europäischen Banken die größte Exponierung gegenüber nichtbanklichen Finanzinstituten aufweist. Demnach standen rund 30 Prozent der Kredite, Vorschüsse und Schuldtitel der Bank in Verbindung mit Investmentfirmen, Fonds, Versicherungen, Pensionsfonds, Clearingstellen und anderen Finanzintermediären. Der Durchschnitt bei den größten europäischen Banken lag bei rund acht Prozent.

Die UBS-Analysten betonten allerdings, sie hätten eine breite Definition nichtbanklicher Finanzinstitute verwendet. Viele dieser Engagements seien vollständig besichert und mit geringem Risiko verbunden. Daher sei es nicht sinnvoll, anzunehmen, dass alle Engagements gegenüber "anderen Finanzunternehmen" gleichartig oder gleich riskant seien.

Anteil von etwa fünf Prozent am Kreditbuch
Die Deutsche Bank erklärte, ihre Private-Credit-Exponierung entspreche rund fünf Prozent ihres gesamten Kreditbuchs. Obwohl die Anlageklasse als zentraler Risikofaktor identifiziert werde, nannte die Bank keine Verluste oder Rückstellungen im Zusammenhang mit diesen Engagements.

"Wir sind der Ansicht, dass sowohl das Engagement im Private Credit als auch im Technologiesektor gut gesteuert ist und wir derzeit keinen besonderen Anlass zur Sorge sehen", schrieben Analysten von Kepler Cheuvreux in einer Mitteilung an Kunden.

Struktur des Engagements
Rund 73 Prozent der Exponierung entfallen laut Deutscher Bank auf Finanzierungen für Multi-Asset-Kreditgeber (ABS), die durch breit diversifizierte Mittelstandskredite in den USA und der EU besichert sind – über verschiedene Branchen hinweg, mit konservativen Beleihungsquoten von rund 65 Prozent und fast ausschließlich Investment-Grade-Ratings.

Der restliche Teil sei über verschiedene Strukturen verteilt, darunter Net-Asset-Value-Finanzierungen (NAV) für einzelne und mehrere Kreditgeber, Single-Asset-Finanzierungen, Immobilienkredite außerhalb des Bankensektors, Business Development Companies (BDC) sowie Subscription Finance.

DWS will Private Credit ausbauen
Während die Deutsche Bank Risiken im Private-Credit-Markt betont, plant ihre Fondstochter DWS, ihr Angebot in diesem Bereich auszubauen. Die Bank erklärte, sie wolle den Vertrieb durch eine selektive regionale Expansion sowie durch die gemeinsame Entwicklung innovativer Produkte und digitaler Investmentlösungen mit ihrer Privatkundensparte erweitern. (mb/Bloomberg)