1998 schlitterte die Riegerbank in die Pleite. Es folgte einer der größten und am längsten andauernden Bankenkonkurse Österreichs – und wohl auch einer der spektakulärsten.

Der Gründer und Vorstandsvorsitzende der Riegerbank und gleichzeitig Präsident des Linzer Fußballklubs Lask, Wolfgang Rieger, hatte in den 1990ern die Bilanzen seiner Bank gefälscht. Kurz vor dem Zusammenbruch räumte er die Banktresore leer und setzte sich mit hohem Barvermögen an die Côte d'Azur ab. Er wurde zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt und kam 2003 vorzeitig frei. Jahre später kam es zur Anklage gegen den ehemaligen Riegerbank-Aufsichtsratschef Johannes Z. Ihm wurde betrügerische Krida sowie schwere Erpressung des Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Rieger vorgeworfen. Rieger gab an, Z. habe gedroht, die Malversationen auffliegen zu lassen.

Formales Ende noch heuer erwartet
Für die Gläubiger hieß es indes lange warten auf Entschädigung. Sie sehen nur noch einen Bruchteil ihrer Forderungen. Bereits in den Jahren 2000 und 2002 war im Rahmen von zwei Zwischenverteilungen zu je 4,4 Prozent eine Quote von insgesamt 8,8 Prozent an die Gläubiger verteilt worden.

Nun zeichnet sich nach zahlreichen langwierigen anhängigen Prozessen ein Ende des Konkursverfahrens ab. Der Alpenländische Kreditorenverband rechnet mit einer formalen Beendigung im Jahr 2021. Anlässlich der Verfahrensbeendigung wird nochmals eine Quote von 0,590532 Prozent ausgeschüttet, teilt der AKV mit. Insgesamt konnte damit eine Konkursquote von rund 9,39 Prozent erzielt werden.

88 Millionen Euro
In dem am 27.10.1998 eröffneten Konkursverfahren wurden Forderungen von 1.316 Gläubigern in Höhe von 88.421.453,82 Euro (rund 1,2 Milliarden Schilling) anerkannt. Im Zuge des Insolvenzverfahrens konnte etwa vor der Einführung des Euros erfolgreich ein Teil des vorhandenen Wechselstubennetzes verwertet werden. Zahlreiche Gläubiger schlossen Abfindungserklärungen mit der Republik Österreich und traten an sie ihre Forderungen ab, die daher einen Teil der Quote erhält. (eml)


Anlässlich der Verfahrensbeendigung hat der AKV einige Superlative zu den österreichischen Bankpleiten zusammengestellt:

  • Längste Verfahrensdauer: Riegerbank AG mit 23 Jahren
  • Höchste (anerkannte) Verbindlichkeiten: Commerzialbank Mattersburg im Burgenland AG: 611 Millionen Euro (bisher)
  • Höchste Konkursquote: Diskont Bank AG mit 84 Prozent an alle Gläubiger Riegerbank AG und voraussichtlich ehem. MeinlBankmit 100 Prozent nur für die Einlagensicherung.
  • Höchste Anzahl an Gläubigern: Bank für Handel und Industrie AG (2.629) 

Die Eckdaten der österreichischen Bankpleiten der vergangenen 30 Jahre

*Schuldnerin war eine auf St. Vincent in den Grenadinen eingetragene Bank, hinsichtlich derer mit Beschluss vom 28.3.2002 die Zwangsabwicklung eingeleitet wurde. Die Schuldnerin verfügte nicht mehr über einen aufrechten Geschäftsbetrieb und hatte in Österreich keine Niederlassung. Jedoch bestand in Österreich verwertbares Vermögen.
**Ehemalige Meinl Bank.

Quelle: AKV