Ein gestiegener Goldpreis bedeutet nichts anderes, als dass die Kaufkraft der Papierwährungen gegenüber Gold abgenommen hat. Bekam man mit dem Papiergeld Ende 1999 noch etwa 100 Feinunzen Gold, so erhält man mittlerweile nur noch 17,5 Feinunzen – das entspricht einem Kaufkraftverlust gegenüber Gold in Höhe von 82,5 Prozent. Der Grund ist für Thorsten Polleit, Chefvolkswirt von Degussa Goldhandel, ökonomisch offensichtlich: Es ist die Geldpolitik der Zentralbanken, durch die die Geldmengen immer weiter ausgeweitet werden, um Pleiten von Staaten und Banken abzuwehren. "Die Inflation wird früher oder später zutage treten, wenn diese Geldpolitik weiterverfolgt wird."

Bislang haben sich die Zentralbanken darauf beschränkt, Banken Wertpapiere abzukaufen und dafür mit neu gedrucktem Geld zu bezahlen. Bald werden sie laut Polleit dazu übergehen, auch Nichtbanken (Versicherungen, Pensionsfonds und private Sparer) Wertpapiere abzukaufen. "Geschieht das, so steigen die für die Nachfrage wirksamen Geldmengen (M1 bis M3) unmittelbar an. Der Verfall der Kaufkraft des Geldes ist dann vorprogrammiert." Hinzu komme der politische Druck, die Zentralbanken sollen die elektronische Notenpresse zur Finanzierung maroder Staatsaushalte anwerfen. "Viele Marktbeobachter gehen nach wie vor davon aus, dass die Zentralbanken mit ihrer Politik Wachstum und Beschäftigung unterstützen wollen", sagt Polleit. Was aber, wenn die Zentralbanken ganz bewusst die Entwertung der Kaufkraft des Geldes anstreben? Dass es genau darauf hinausläuft, legen dem Ökonomen zufolge vor allem drei Gründe nahe: 
 
Geldmengenausweitung kann Wohlfahrt nicht erhöhen
Erstens schafft ein Ausweiten der Geldmenge keine  Produktionszuwächse und keine neuen Arbeitsplätze. "Wenn das Ausgeben von neuem Geld der Weg zur Prosperität wäre, so stellt sich die Frage: Warum sind Länder wie Zimbabwe, die erst jüngst eine Hyperinflation durchleben mussten, nach wie vor arm", fragt Polleit. Ein Ausweiten der Geldmenge könne die Wohlfahrt einer Volkswirtschaft ihm zufolge nicht erhöhen. "Alles, was ein Ausweiten der Geldmenge bewirkt, ist eine erzwungene Umverteilung und eine Schmälerung des Geldwertes." 
 
Zweitens: Es gibt einen Anreiz für verschuldete Gruppen, die Rückzahlung ihrer Schulden mit wertgemindertem Geld zu leisten. Dass viele Staaten und Banken mittlerweile überverschuldet sind, ist laut Polleit "kaum mehr übersehbar" – und auch nicht, dass sie erfolgreich einen entsprechenden Einfluss auf die Geldpolitiker ausüben, in ihrem Sinne zu handeln. Und Drittens herrsche in der breiten Öffentlichkeit die Auffassung vor, dass das Ausweiten der Geldmenge einer Hinnahme von Staats- und Banken-Pleiten vorzuziehen sei. Diese Neigung offenbare sich spätestens im Falle eines unmittelbar drohenden Pleitefalls – ein Beispiel dafür ist der Untergang der US-amerikanischen Investmentbank Lehman-Brothers im September 2008. "Noch heute wird vielfach die Auffassung vertreten, eine Verhinderung der Lehman-Pleite durch neues Geld, ausgegeben von der US-Zentralbank, hätte das Ausbreiten der Krise verhindern können", so Polleit.   
 
Keine Zweifel über die Ziele der Geldpolitik
Weil Pleiten von Staaten und Banken eben viel stärker gefürchtet werden als die Folgen der Geldmengenausweitung, konnten die großen Zentralbanken seit Ausbruch der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise ihre Bilanzen mehr oder weniger ungehindert ausweiten, also die Basis-Geldmengen erhöhen, so die Schlussfolgerung. Bislang sei die Preiswirkung der Geldmengenausweitung allerdings noch nicht vollends zutage getreten. Es sollte laut Polleit kein Zweifel über die Zielrichtung der Geldpolitiken bestehen: Sie ziele darauf ab, die Inflation in die Höhe zu treiben und den Geldwert zu mindern, um die allgemeine (Über)Verschuldung abzubauen. (dw)