Der Pazifische Raum verfügt über ein so großes wirtschaftliches Potenzial, dass er in den kommenden Jahrzehnten die Geschicke der Welt entscheidend bestimmen wird. Diese These vertrat Professor Dr. Michael Werz vom Center for American Progress in seinem Vortrag auf dem FONDS professionell KONGRESS in Wien, wo er am Mittwoch auf Einladung des Fondsanbieters Axa Investment Managers sprach. Die ökonomische Kraft von Hong Kong, Taiwan und Singapur, die technologische Expertise Japans und Südkoreas, der Rohstoffreichtum Australiens, Indonesiens und Kanadas: "Der Pazifische Ozean wird zum Mittelmeer des 21. Jahrhunderts, denn die entscheidenden Handelswege verlaufen dort", sagte Werz. Diese Entwicklung sei nicht aufzuhalten und drohe Europa zumindest aus US-amerikanischer Perspektive in die Peripherie zu verdrängen.

Für die USA und andere Anrainerstaaten des Pazifik berge die Entwicklung indes große wirtschaftliche Chancen. So wickelten die USA bereits jetzt ein Viertel ihres Außenhandels allein mit China, Japan, Südkorea und Taiwan ab, dagegen betrage der Anteil des Handels mit der Europäischen Union weniger als 17 Prozent. Und dies sei erst der Anfang, so Werz, der seit zwölf Jahren in den USA lebt: "Im Jahr 2022 werden 54 Prozent der weltweiten Mittelschichten im Pazifischen Raum leben", erwartet er. Bis dahin würden die Waren- und Dienstleistungsimporte der Anrainernationen von heute rund vier Billionen auf knapp 10 Billionen US-Dollar steigen.

In 20 Jahren keine weiße Bevölkerungsmehrheit mehr in den USA
Diese geopolitische Entwicklung spiegele sich auch in den gesellschaftlichen Verschiebungen im Inneren der Vereinigten Staaten wider. Dort werde in etwas mehr als 20 Jahren keine weiße Bevölkerungsmehrheit mehr geben, sagte Werz. Im Jahr 2050 schließlich könnten 110 Millionen Hispanics, spanischsprechende Amerikaner also, und 35 Millionen Menschen asiatischer Herkunft in den USA leben. Dies werde auch die kulturellen Verbindungen in den Pazifischen Raum weiter stärken, so Werz: "Diese sozialen und kulturellen Verbindungen nach Asien und Lateinamerika werden an die Stelle der Verbindung zu Europa treten – und das schon in wenigen Jahren." (fp)