Während sich das Fondsgeschäft in Europa im Aufwind befindet und gerade Aktienfonds immer stärker nachgefragt werden, ist die Entwicklung in heimischen Gefilden verhalten. "Die Österreicher verschlafen einen Trend", sagte Mathias Bauer, Chef der Raiffeisen Capital Management. Nachfrage sei vorhanden, werde aber zum Teil von Rückflüssen überkompensiert, so Bauer am Donnerstag vor Journalisten. Den aktuellen Verbandszahlen zufolge verzeichneten Publikumsfonds in diesem Jahr (Stichtag 31. Oktober) leichte Nettoabflüsse, Neugeschäft war bisher nur im institutionellen Bereich zu beobachten. "Die Kunden sind auf der Suche nach Erträgen, dies spiegelt sich jedoch in Summe noch nicht nachhaltig genug in der Absatzsituation von Investmentfonds wider."

"Nummer eins, aber nicht um jeden Preis"
Bei Raiffeisen Capital Management hat man 2013 – in erster Linie durch die Auflösung und Umschichtung institutioneller Mandate – an Fondsvermögen eingebüßt und dadurch die Spitzenposition im österreichischen Fondsmarkt verloren. Diese wiederzuerlangen sei das erklärte Ziel, allerdings, so Bauer, "nicht um jeden Preis, sondern nur unter gesunden ökonomischen Bedingungen". Aktuell verwaltet die Raiffeisen KAG ein Volumen von 26,7 Milliarden Euro – das entspricht einem Marktanteil von 18,1 Prozent. Die nunmehr größte österreichische KAG, die Erste-Sparinvest, vereint 18,3 Prozent aller in Österreich veranlagten Investmentfondsgelder auf sich.

Thema Pensionsvorsorge rückt in den Fokus
Im kommenden Jahr soll insbesondere die immer stärker in den Fokus der Öffentlichkeit rückende private Altersvorsorge ein entscheidender Geschäftstreiber werden. Das viel diskutierte Pensionskonto werde hier in Kürze mehr Transparenz in das Thema bringen, hofft Bauer. "Viele Österreicher werden dann vor der Frage stehen, wie lange und in welcher Beitragshöhe sie ansparen müssen, damit das Auffüllen der Pensionslücke möglichst gut funktioniert." Neben der Absicherung von biometrischen Risiken sieht Bauer die Veranlagung via Investmentfonds als einen immer wichtigeren Vorsorgebaustein für die Phase der Nicht-Erwerbstätigkeit an.

Ein Tsunami an regulatorischen Vorgaben
Starker Wind bläst der Fondsindustrie immer noch von Seiten der Regulatoren entgegen. Kritik war vor allem an der Auslegung der Vorgaben durch die Finanzmarktaufsicht zu hören. Bauer fand hierfür recht deutliche Worte: "Eigentlich sollte unsere Konzentration unseren Produkten und deren Performance gelten. Stattdessen ist die Fondsindustrie nach wie vor in Geiselhaft von Formalismen, die Anlegern nicht helfen, aber den Verwaltungsaufwand und die Kosten in die Höhe treiben." Hervorzuheben sind die Umsetzung des Alternative-Investmentfonds-Manager-Gesetz (AIFMG) und auch Basel III, das für Banken laut Bauer zu einer Unzeit gekommen sei. 

Relativ schwache Erholung in der Eurozone
Konjunkturtechnisch erwartet Raiffeisen Capital Management 2014 eine nur leichte Verbesserung in der Eurozone, einer schnelleren Erholung stehen die ungelösten Probleme der öffentlichen und privaten Verschuldung entgegen. Die EZB habe die "Unfallgefahr" dramatisch reduziert, sagte Gerhard Aigner, Geschäftsführer der Raiffeisen KAG und verantwortlich für die Bereiche Asset Management sowie institutionelle Kunden. Und auch in den nächsten Jahren biete sich ihm zufolge jeder Anlass für eine sehr expansive Geldpolitik: die Kreditvergabe ist nach wie vor rückläufig, die Arbeitslosigkeit extrem hoch und unterm Strich ist nirgendwo Inflation zu sehen.

Europäische Aktien sind jedenfalls ein Kauf
Die Aktienhausse der letzten Monate verunsichert aktuell zahllose Investoren, die fürchten, dass dem Markt demnächst eine Korrektur bevorstehe. Abwärtsbewegungen könne man zwar nicht ausschließen, rein von der Bewertung her biete sich für langfristig orientierte Investoren aber nach wie vor ein guter Kaufzeitpunkt, so Aigner, der für Europa im nächsten ein Gewinnwachstum von fünf bis zehn Prozent erwartet. Was die Entwicklung der Schwellenmärkte betrifft, bleibt Aigner grundsätzlich positiv eingestellt, will jedoch vorerst abwarten. Ein Kauf sei jedenfalls Osteuropa, die Region werde laut Aigner auf Sicht von fünf bis zehn Jahren outperformen. (dw)