Weil einige der größten Kursverluste der Geschichte in diesen Monat fielen, gilt der September unter Börsenstrategen als "Crash-Monat". Aktuell sieht es aber danach aus, als würde dieser "Börsenregel" vorgegriffen. Die europäischen Aktienmärkte haben im August eine scharfe Korrektur erlebt. Der Dax hat seit seinem letzten Hoch im April mehr als 22 Prozent eingebüßt; am Montag rutschte der Index unter die magische Grenze von 10.000 Punkten. Der Euro Stoxx 50 hat im selben Zeitraum knapp 20 Prozent nachgegeben. Auch die US-Indizes S&P 500 und Dow Jones legten zweistellige Kursverluste hin.

Warum fallen die Kurse?
Aber warum fallen die Kurse plötzlich so extrem? Fondsmanager, Vermögensverwalter und Berater haben den "Hauptschuldigen" ausgemacht: China. "Die Risikoaversion wurde in erster Linie durch die weitreichende Unsicherheit in Bezug auf das chinesische Wirtschaftswachstum und den Sturzflug der Börse in Shanghai getrieben", sagt beispielsweise Marc Craquelin, Leiter des Asset Managements bei La Financière de l’Echiquier. "Viele chinesische Marktteilnehmer haben aufgrund der Niedrigzinsphase Aktienpositionen auf Kredit erworben und verkaufen nun, weil sie mit der Volatilität der Aktienmärkte wenig Erfahrung haben und weitere Kursverluste vermeiden wollen. Dies führt auch zu Überreaktionen", kommentiert Ralf Müller-Rehbehn von AMF Capital.

Die überraschende Maßnahme der Regierung, ihren Renminbi abzuwerten, hätten die Turbulenzen noch verstärkt: "In China rächen sich derzeit die vermeintlichen Vorteile einer Planwirtschaft: Bereits kleinere Überraschungen wie die Yuan-Abwertung der letzten Woche werden von vielen Analysten als totaler Kontrollverlust der chinesischen Regierung gewertet", erklärt Philipp Dobbert, Chefvolkswirt der Quirin Bank. "Ich denke, dass wir hier einen Währungskrieg sehen. Der muss gestoppt werden, dann werden sich auch die Aktienmärkte erholen", so der Chef der RC-Banken-Gruppe, Frank Schmielewski.

"Wie die Lemminge"
Als weitere Brandherde werden unter anderem die ungewisse Zinspolitik der US-Notenbank, das Rudern um Griechenland und die Entwicklung an den Rohstoffmärkten angeführt. Das alles habe zu emotionalen Reaktionen an den internationalen Aktienmärkten geführt: "An den Märkten hat wieder einmal die Psychologie das Ruder übernommen, der Herdentrieb hat eingesetzt. Die Börsianer neigen zu immer extremeren Übertreibungen", beschreibt Carsten Gerlinger, Analyst beim Fondsanbieter Moventum, die jüngsten Entwicklungen. "Investoren verhalten sich mal wieder wie die Lemminge", sagt auch Lutz Neumann von der Sutor Bank.


Die übergeordnete Frage lautet freilich: Wie geht es nun an den Märkten weiter? Dazu haben sich neun Experten aus nationalen und internationalen Fondshäusern geäußert. FONDS professionell ONLINE hat ihre Antworten zusammengetragen – klicken Sie sich durch unsere Bilderstrecke oben!