Die Deutsche-Bank-Sparte Deutsche Asset & Wealth Management (DeAWM) und das Londoner Analysehaus Citywire haben am Donnerstag ein neues Stimmungsbarometer vorgestellt, das als vorausschauender Indikator für potenzielle Kapitalflüsse in und innerhalb der Schwellenländer dienen soll.

Der "Citywire DB X-Trackers Emerging Markets Sentiment Indicator" (EMSI) sei der erste Gradmesser dieser Art in Europa. Er bilde die Einschätzung von professionellen Fondsmanagern ab, wie sie einzelne Schwellenländer und die Anlageklasse Emerging Markets insgesamt bewerten, teilte die DeAWM mit. Basis sind die Ergebnisse einer regelmäßigen Quartalsumfrage von Citywire bei 101 Managern von Schwellenländerfonds, die gemeinsam rund 200 Milliarden Euro verwalten. Die aktuelle Umfrage fand im März und April 2013 statt.

Einschätzung von Fondsmanagern zu zehn Märkten
"Da Kapitalanlagen in Schwellenländer für viele Investoren zum Standard gehören, ist die Zeit reif für einen unabhängig und regelmäßig ermittelten Indikator, der Anlegern eine Orientierung geben soll, welche einzelnen Märkte attraktiv sein könnten, und welche eben nicht“, sagt Simon Klein, Leiter des ETF-Vertriebs der DeAWM in Europa und Asien. "Der Indikator kann eine zusätzliche Informationsquelle sein, da er die Stimmung von führenden Fondsmanagern zusammenfasst, die in Schwellenländern investieren“, ergänzt James Moore, Leiter Produktentwicklung bei Citywire.

Der Indikator bildet die Einschätzung der Fondsmanager zu zehn Märkten ab: Brasilien, China, Indien, Indonesien, Korea, Malaysia, Mexiko, Russland, Südafrika und Taiwan. Für Aktien, Renten und gemischte Portfolios werden jeweils die aktuelle Marktbewertung, die erwartete Marktentwicklung in den kommenden zwölf Monaten und die in sechs Monaten erwartete Portfoliogewichtung abgefragt.

Würden die Ergebnisse heute noch genauso optimistisch ausfallen?
Den ersten Ergebnissen zufolge ist der Indikator ist vom Ausgangswert 1000 auf 1009 gestiegen. Dies spricht nach Aussage von Citywire für eine verhalten optimistische Einstellung. Unter den einzelnen Schwellenländern favorisieren die befragten Fondsmanager für die kommenden sechs Monate China und Indien. Auch wenn eine Umfrage kein verlässlicher Hinweis auf zukünftige Entwicklungen ist: Nach Angaben von Citywire planen 34 Prozent der Fondsmanager, die Allokation für China in ihrem Fonds um mindestens fünf Prozent zu erhöhen, bei Indien sind es 32 Prozent.

Fraglich ist freilich, ob die Ergebnisse nach den zuletzt schlechten Nachrichten vor allem aus China immer noch so optimistisch ausfallen würden: Die Umfrage fand im März und April statt – seit Mitte Mai befinden sich die Kapitalmärkte eher wieder im Krisenmodus. Wie relevant der Indikator vor allem wegen dieses Zeitverzugs werden wird, ist daher noch offen. (bm)