Allem Potenzial zum Trotz kommt das Segment Nachhaltigkeit in der Fondsbranche nur langsam in Schwung. Seit vielen Jahren genießt es medial mehr Aufmerksamkeit als bei den Anlegern. Tatsächlich verläuft das Interesse an grünen und ethischen Investments marktweit in zwei ganz unterschiedlichen Bahnen.

In einer Umfrage des Deutschen Derivate Verbands gaben zuletzt fast zwei Drittel von mehr als 4.000 als "gut informiert" eingestuften Privatanleger an, dass ethisch-ökologische Kriterien bei ihrer Anlageentscheidung keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielen. Auf der anderen Seiten berücksichtigen bereits 56 Prozent der institutionellen Anleger Nachhaltigkeitskriterien. Bei kirchlichen Einrichtungen und Stiftungen sind es sogar 90 Prozent, wie eine Umfrage von Union Investment aus Juli 2014 zeigt. Eine aktuelle Studie des Luxemburger Fondsverbandes ALFI weist in die gleiche Richtung. Demnach ist das Anlagevolumen von Nachhaltigkeitsfonds zwischen 2012 und 2014 europaweit doppelt so stark gestiegen wie der Gesamtmarkt, nämlich um 56 Prozent. Wesentlicher Treiber waren dabei institutionelle Investoren. Wenngleich auf niedrigem Niveau. Denn trotz des neuen Rekordhochs von 372 Milliarden Euro machen die Öko- und Ethikfonds noch immer nur 3,3 Prozent des Gesamtmarktes aus.

Arg strapaziert
Dass sich unter den beiden Investorengruppen die Geister an einem grundsätzlich positiv belegten Thema wie der nachhaltigen Geldanlage dermaßen scheiden, mag seltsam erscheinen, ganz unverständlich ist es aber nicht. Schon seit Jahren wird der Nachhaltigkeitsbegriff arg strapaziert. Was nachhaltig ist oder eben nicht, lässt sich ohnehin nur schwer auf einen Nenner bringen, erst recht beim Thema Geldanlage. In Anbetracht von europaweit mehr als 1.870 grünen Investmentfonds sieht der Durchschnittsanleger den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Bis zu 300 ökologische, soziale und ethische Kriterien unterscheidet die Branche. Wer sich als Laie hier nicht überfordert fühlt, darf sich glücklich schätzen. Selbst gestandene Finanzberater kapitulieren angesichts dieser erdrückenden Vielfalt.

Neues Siegel
Doch die Branche ringt stärker um klare Standards. So steht das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) vor der Einführung eines neuen Qualitätssiegels. Dessen Ziel ist es, Fonds in Bezug auf die Frage, wie anspruchsvoll die angewandten Nachhaltigkeitskriterien und -prozesse sind, stärker zu differenzieren. Die Testphase für das FNG-Qualitätssiegel wurde Ende März abgeschlossen, die erste Bewerbungsphase für Fonds beginnt im Juli. Offen ist, ob sich das neue Etikett am Markt durchsetzen wird. (rmk)


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