Anleihen sind schon heute längst nicht mehr so liquide handelbar wie noch vor einigen Jahren. Ein wichtiger Grund dafür: Banken und andere Broker verabschieden sich mehr und mehr aus diesem Markt, weil sie ihr kostbares Eigenkapital schonen wollen – als Market Maker für Unternehmensanleihen fallen sie daher weitgehend aus. Gefährlich kann das werden, wenn die US-Notenbank Fed an der Zinsschraube dreht. Dann könnte an den Rentenmärkten die große Dürre ausbrechen. Richard Woolnough, Manager des M&G Optimal Income, äußert sich gegenüber FONDS professionell zu den Möglichkeiten, diesem Risiko geschickt vorzubeugen.

Herr Woolnough, derzeit wird ein Austrocknen der Rentenmärkte heiß diskutiert. Sollte die Federal Reserve Bank an der Zinsschraube drehen, könnte es gefährlich werden. Wann rechnen sie denn mit einer Zinserhöhung?

Richard Woolnough: Sehr, sehr bald. Die Weltwirtschaft erholt sich zunehmend. Vor allem in den USA und in Großbritannien deuten alle Fundamentaldaten darauf hin, dass eine Zinserhöhung nicht mehr lange auf sich warten lassen wird. In den USA läuft der Arbeitsmarkt bereits heiß, das Lohnniveau zieht an. Die Fed kann gar nicht anders, sie muss den Leitzins bald heben.

Und dann wird es auch für das Portfolio Ihres M&G Optimal Income Fund heiß?

Woolnough: Wir sind vorbereitet. Was das Zinsrisiko angeht, so sind wir "bearish". Die Zinsen für Staatsanleihen, die ja historisch niedrig sind, werden natürlich steigen. Daher haben wir in unserem Portfolio hier bewusst eine kurze Durationsposition aufgebaut. Hinsichtlich der Credit Spreads denken wir "bullish". Wir denken, dass die zunehmende Wirtschaftskraft auch die Bilanzen und Kennzahlen von Unternehmen weltweit verbessern wird. Mittelfristig werden sich die Risikoaufschläge daher einengen.

Sie steuern Zins- und Spread-Risiken demnach gesondert?

Woolnough: Ja, wir managen sie gesondert, indem wir Derivate wie Credit Default Swaps und Bond Futures einsetzen. Auf diese Weise können wir die Risiken je nach Bedarf flexibel verringern oder erhöhen. Aber wir stellen auch sicher, dass wir zu jeder Zeit über ausreichend Liquidität im Fonds verfügen.

Ausreichend heißt für Sie?

Woolnough: Unsere frei verfügbare Liquidität beläuft sich auf etwa 15 Prozent. Diese 15 Prozent setzen sich zusammen aus Cash-Beständen und risikolosen, liquiden, sozusagen "unbelasteten" Staatsanleihen, die auch dann noch zu verkaufen wären, wenn die Märkte ansonsten komplett illiquide würden. Mit "unbelastet" meine ich, dass die Bonds nicht zur Absicherung von CDS-Positionen verwendet werden. Diese Papiere machen im Vergleich zu den Cash-Beständen sogar den größeren Teil aus. Darüber hinaus generiert der Fonds natürlich verschiedene Cashflows, zum Beispiel, wenn Anleihen fällig werden.

Trotz aller Sicherungsmechanismen, die Gefahr, die von einer Zinserhöhung ausgeht, bleibt bestehen.

Woolnough: Alle Welt schaut ständig auf den Zeitpunkt, zu dem Janet Yellen in den USA den Leitzins anhebt. Meiner Ansicht nach ist es aber gar nicht so entscheidend, wann das passiert. Es ist viel wichtiger, wie die einzelnen Zinsschritte ausfallen und wie schnell sie aufeinander folgen werden. Wir rechnen mit einem moderaten Vorgehen. Die Zinsen werden länger auf einem niedrigeren Niveau bleiben als in der Vergangenheit und die Fed wird sie in nur sehr graduiert heben. Für mich stellt die sicher bevorstehende Zinserhöhung daher keine so große Gefahr dar. (am)


Eine ausführliche Analyse über die Gefahr austrocknender Rentenmärkte finden Sie in der aktuellen Printausgabe 3/2015 von FONDS professionell, die Ende September erscheint.