Wo ist das Geld sicherer angelegt: In deutsche Bundesanleihen oder Afrika? Eine Fangfrage, denn die Antwort fällt mittlerweile zugunsten Afrikas aus, meint Uwe Zimmer, Vorstandsvorsitzender der Vermögensverwaltung Meridio AG aus Köln. In einer Kolumne schreibt er hierzu wie folgt:

„Noch vor fünf Jahren hätte niemand einen ernsten Vergleich der Risiken einer Anlage in Afrika mit einer in deutsche Bundesanleihen gewagt. Warum auch? Bundesanleihen galten als die sicherstmögliche Anlage, vielleicht noch zusammen mit US-Staatsanleihen und Schweizer Uhren. Afrika dagegen war ein Kontinent der Romantik á la „Out of Africa“ oder ein Kontinent der Krisen und Kriege, des Hungers und Elends.

Afrikanische Staaten galten als schlecht regiert, die Infrastruktur als marode, die Aussichten als bestenfalls mäßig. Deutschland und Europa dagegen waren die Musterschüler, die allen sagen konnten, wie gute Staatenführung geht, wie Infrastruktur aufgebaut werden muss und wie man wirtschaftlich vorankommt.

Gute Staatsführung

So schnell ändern sich die Dinge: Mittlerweile haben alle gesehen, dass die Prinzipien guter Staatenführung in Europa zuhauf und heftig verletzt wurden. Die ungebremste Schuldenaufnahme brachte die Staaten an den Rand des Zusammenbruchs. Und mehr: statt sich auf die Lehrbuchweisheiten des Musterschülers zurückzuziehen wird jetzt sogar noch weiter in die gleiche Richtung gegangen. Der Rettungsschirm ESM wird zu einem unkontrollierbaren Moloch, der Europa aushöhlen kann.

In Afrika dagegen haben die steigenden Rohstoffpreise für echte Bewegung gesorgt. Manch ein Staat kommt mit deutlich geringeren Schulden aus als die Europäer, die Infrastruktur wird zusammen mit ausländischen Partnern aufgebaut und selbst im Finanzwesen sind manche Länder uns bereits voraus. So wird in vielen Regionen Afrikas mit dem Handy bezahlt, Konten darüber geführt und Kredite abgewickelt, da eine Filialbank-Infrastruktur zwar vielleicht in Europa noch passend, ansonsten aber eher altertümlich ist.

Modernisierung und Wachstum

Afrika wird also getrieben von einer schnellen Modernisierung. Hier finden sich viele Wachstumsgeschichten, wie sie in den Jahren zuvor in China, Indien oder Brasilien geschrieben wurden. Hier finden sich Geldhäuser, die direkt mit ihren Kunden kommunizieren und deren Bedürfnisse kennen. Und hier lässt sich durch all den Wandel natürlich auch für Anleger gutes Geld verdienen. Denn das Wachstum muss finanziert werden, immer mehr Unternehmen kommen an die Börse, Versorger werden privatisiert, ganz neue Strukturen entstehen.

Und um den Vergleich zu einer Bundesanleihe zu ziehen: Investments in Afrika sind riskant, sie sind Investments in Wachstum, das auch Rückschläge erleiden, das aber eben auch gute Renditen erwirtschaften kann. Aber Investments in Bundesanleihen sind riskanter, denn mit ihnen verlieren Anleger bei der derzeitigen Inflation mit Sicherheit reales Geld. Deshalb: lieber in Schwarzafrika investieren als in den Bund – zumindest mit einem gewissen Teil des Vermögens.“ (ir)