Bis zum Jahr 2020 sollen 50 Prozent der nationalen Goldreserven in Österreich gehalten werden. Das hat die Oesterreichische Nationalbank unter Berücksichtigung der Empfehlungen des österreichischen Rechnungshofes beschlossen. Der Rest werde auf London (30 %) und die Schweiz (20 %) aufgeteilt. Die Repatriierung soll ab Juli 2015 erfolgen, wie aus der am Donnerstag präsentierten Zentralbank-Bilanz hervorgeht.

Die von der OeNB gehaltenen Goldreserven betragen per Mai 2015 280 Tonnen. Dieser Bestand ist seit 2007 unverändert. Die Goldreserven stehen im Eigentum der OeNB, die wiederum zu 100 Prozent der Republik Österreich gehört. Gemäß dem aktuellen Lagerstellenkonzept hält die OeNB derzeit 17 Prozent ihrer Goldbestände in Österreich, 80 Prozent im Vereinigten Königreich und drei Prozent in der Schweiz.

OeNB erzielt zweitbestes Ergebnis seit 2006
Mit 811 Millionen Euro konnte das erwirtschaftete Ergebnis des Vorjahres um fast ein Viertel übertroffen werden. Nach der Zuführung zur Risikorückstellung und Abschreibungen auf Fremdwährungen und Wertpapiere beläuft sich das geschäftliche Ergebnis 2014 auf 341 Millionen Euro. Dieses lag um 14 Prozent über dem des Jahres 2013 und stellt damit nach 2012 das zweitbeste Ergebnis seit 2006 dar. "Im Jahr 2014 hat die Oesterreichische Nationalbank trotz der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und insbesondere des sehr niedrigen Zinsniveaus wiederum ein beachtliches Betriebsergebnis erwirtschaftet", so Präsident Claus Raidl.

Der Bund erhält vom geschäftlichen Ergebnis 315 Millionen Euro (2013: 256 Mio.), wovon 85 Millionen auf die Körperschaftsteuer und 230 Millionen auf den 90-prozentigen Gewinnanteil des Bundes entfallen. Gouverneur Ewald Nowotny dazu: "In den letzten zehn Jahren hat der Bund somit 2,6 Milliarden Euro an Gewinnanteil und Körperschaftssteuer von der OeNB erhalten".

2014: Von Sepa bis zur Bankenunion
Mit der Bankenunion und der Realisierung eines einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraumes (Sepa) seien im zurückliegenden Jahr zwei zentrale Punkte auf der Agenda der Zentralbank gestanden: Bei der Bankenunion konnten mit Inkrafttreten des Einheitliche Aufsichtsmechanismus (Single Supervisory Mechanism, SSM) und mit der gesetzlichen und institutionellen Weichenstellung hinsichtlich Einheitlicher Abwicklungsmechanismus (Single Resolution Mechanism, SRM) weitere Meilensteine erreicht werden, resümieren die Direktoren. Fortschritte gab es auch bei der harmonisierten Einlagensicherung (Deposit Guarantee Scheme, DGS). 

Zu Beginn des Jahres 2015 habe die OeNB außerdem neue Aufgaben im Rahmen der Bankenabwicklung gemäß Bankensanierungs- und Abwicklungsgesetz (BaSAG) übertragen bekommen. Die makroprudenzielle Aufsicht habe wesentlich an Bedeutung gewonnen, heißt es weiter. Als zentrales Gremium wurde hierfür 2014 das Finanzmarktstabilitätsgremium (FMSG) eingerichtet. Die OeNB ist für die inhaltliche Vorbereitung der Sitzungen des FMSG zuständig und führt das Sekretariat.

Mit Sepa ist im Jahr 2014 der einheitliche Euro-Zahlungsverkehrsraum endgültig verwirklicht worden, ein weiteres Projekt, Target-2-Securities – ein europaweit zentrales Wertpapierabwicklungssystem – stehe unterdessen kurz vor der Implementierung. Die Ausgabe der 10-Euro-Banknote der neuen Europa-Serie sei reibungslos verlaufen. Im November 2015 werde die neue 20-Euro-Banknote ausgegeben. (dw)