Die Europäische Zentralbank (EZB) hat Italiens Banken dazu aufgefordert, ihre Abschreibungen auf faule Kredite deutlich zu erhöhen und den Kreditbestand bis zum Jahr 2026 zu bereinigen. Damit verschärft sich die italienische Bankenkrise, schreibt die "Neue Zürcher Zeitung". Es könnte sogar eine neue Konfrontation mit der EU drohen. Der italienische Vize-Ministerpräsident Matteo Salvini sieht in den Forderungen der EZB einen "Angriff" auf die Banken des Landes.

Strenggenommen setzt die EZB nur eine Ankündigung von Juli vergangenen Jahres um. Außerdem erklärt sie, nicht alle Banken über einen Kamm scheren zu wollen, sondern für jedes Institut eine individuelle Lösung anzustreben. Dennoch sieht Salvini Schäden in Höhe von 15 Milliarden Euro auf das italienische Bankensystem zukommen. Generell habe die Bankenaufsicht das System nicht stabiler gemacht, sondern anfälliger, erklärte er.

Schwächelnde Konjunktur verschärft die Lage
Viele italienische Banken haben im jüngsten EU-Stresstest schlecht abgeschnitten. Zwar haben sie die faulen Kredite in ihren Portfolios sowie ihre Kosten in den vergangenen Jahren deutlich reduziert. Das hat allerdings nicht gereicht. So sitzt etwa die Banca Popolare di Bari noch immer auf 25 Prozent Non-Performing Loans. Die Bank steht vor einer Kapitalerhöhung, die sich unter den aktuellen Bedingungen kaum machen lässt. Mehrere andere Geldhäuser haben ähnliche Probleme.

Dass Italiens Banken wieder stärker unter Druck geraten, ist indes nicht allein die Schuld der EZB. Roms politische Manöver in den vergangenen Monaten hatten zur Folge, dass die Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen massiv gestiegen sind. Dadurch hat sich die Eigenkapitalausstattung der Banken verschlechtert, ihre Ratings sind gesunken, die Funding-Kosten gestiegen. In der Folge schwächt sich das Wirtschaftswachstum im Land weiter ab, und das Risiko von Kreditausfällen nimmt zu. (fp)