Franklin Resources, die börsennotierte Gesellschaft hinter dem Asset Manager Franklin Templeton, hat eine offizielle Übernahmeofferte für den Konkurrenten Legg Mason vorgelegt. Der kalifornische Fondskonzern bietet einer Mitteilung zufolge 4,5 Milliarden Dollar und die Übernahme von zwei Milliarden Dollar Schulden, um den Rivalen zu schlucken. Mit dem Zusammenschluss entsteht ein Investmentriese mit einem verwalteten Vermögen von 1,5 Billionen Dollar. Zuvor hatten die Wirtschaftszeitung "Wall Street Journal" und der Finanznachrichtendienst "Bloomberg" vorab über diese Pläne berichtet.

Somit gewinnt die Konsolidierung in der Fondsbranche wieder merklich an Fahrt. Nach den Bündnissen von Janus und Henderson oder Standard Life und Aberdeen war es zuletzt nur zu kleineren Transaktionen gekommen. Erst einen Tag vor der Franklin-Offerte an Legg Mason hatte Jupiter den Kauf der einstigen Old-Mutual-Investmentsparte Merian angekündigt.

Rettung im Zusammenschluss
Die Asset-Management-Industrie ist von hartem Kosten- und Preisdruck, strikterer Regulierung sowie der wachsenden Konkurrenz durch börsengehandelte Indexfonds (ETFs) geprägt. Klassische, aktive Fondshäuser suchen ihr Heil in Größe – um Skaleneffekte zu erzielen und die Kosten drücken zu können. Insbesondere die Kalifornier haben in den vergangenen Jahren unter anhaltenden Mittelabzügen durch die Kunden gelitten.

Entsprechend argumentiert auch die Führungsriege von Franklin Templeton. "Die Übernahme ist ein Meilenstein für unser Unternehmen, die erhebliches Wachstumspotenzial freisetzt", sagt Greg Johnson, Verwaltungsratschef von Franklin Resources, einer Mitteilung zufolge. "Der Schritt verschafft uns Skaleneffekte sowie eine breitere und ausgewogenere Streuung über verschiedene Investmentstrategien, Vertriebskanäle und Regionen."

Vorstandschefin Jenny Johnson ergänzt: "Diese Übernahme ist eine gute Ergänzung unserer Fähigkeiten und bringt nur wenig Überlappungen zu unserer bestehenden Struktur mit sich." Vor allem im Multi-Asset-Bereich, einem ausgewiesenen Wachstumsfeld, gewinne das Haus an Stärke. Aber auch im aktiven Aktienmanagement sowie bei Alternativen Investments kämen neue Kompetenzen hinzu, so Johnson. Erhebliche Anteile von Franklin Templeton liegen noch in Händen der Gründerfamilie Johnson. Deren Mitglieder besetzen wichtige Posten.

"Unwiderstehlicher Deal"
Ein wichtiger Legg-Mason-Aktionär unterstützt das Angebot: der aktivistische Investor Trian Fund Management. "Angesichts des raschen Wandels und des zunehmenden Wettbewerbsdrucks in der Asset-Management-Branche halte ich diesen Deal für unwiderstehlich", sagt Trian-Chef Nelson Peltz, der auch im Managementboard von Legg Mason sitzt. Die Struktur von Legg Mason soll demnach erhalten bleiben. Das Unternehmen positioniert sich als Boutiquendach für neun Investmentgesellschaften. Eine der Boutiquen, Entrust, will die Übernahme allerdings nicht mitmachen. Das Entrust-Management kauft das Haus aus Legg Mason heraus, will aber mit dem neuen Eigner kooperieren.

Die Bewertung sei für die Aktionäre von Legg Mason attraktiv, ergänzt Peltz. Franklin bietet 50 Dollar je Legg-Mason-Aktie, was einem Aufschlag von 23 Prozent gegenüber dem letzten Schlusskurs vor der Bekanntgabe bei 40,72 Dollar entspricht. Franklin Resources will den Kauf komplett als Bartransaktion stemmen, also keine eigenen Aktien zum Tausch anbieten oder ausgeben.

Beste Zeit vorbei, zumindest an der Börse
Die Aktien beider Unternehmen stehen seit Jahren unter Druck. Der Anteilschein von Franklin Resources fiel jüngst unter 25 US-Dollar – so billig war die Aktie seit dem Sommer 2009 nicht mehr. Zum Vergleich: Ende 2014 hatten Anleger zeitweise noch fast 60 Dollar für das Papier bezahlt. Die Aktie von Legg Mason hielt sich zuletzt zwar besser, der Titel knackte kurz vor der Franklin-Offerte die 40-Dollar-Marke und notierte damit auf dem höchsten Stand seit März 2018. Die besten Zeiten für Legg-Mason-Aktionäre liegen allerdings ebenfalls lange zurück: Im Jahr 2006 kostete der Titel zeitweise mehr als 130 Dollar. (ert/bm)