Dass eine westliche Währung wie der Schweizer Franken eine 20-Prozent-Kursbewegung macht, ist mehr als ungewöhnlich. Auch wer den Kapitalmarkt seit langem beobachtet, kann sich allenfalls an den Pfund-Verfall im Jahr 1992 erinnern, der die britische Währung aus dem Europäischen Währungssystem EWR katapultierte und zur D-Mark 15 und gegenüber dem US-Dollar sogar mehr als 20 Prozent abwerten ließ – allerdings nicht binnen Minuten, sondern innerhalb einiger Wochen.

Dass viele Kreditnehmer, die sich im Schweizer Franken verschuldet haben, bei 1,19 Franken pro Euro ein Stop-Loss-Limit platzierten, um im Fall einer weiteren Franken-Aufwertung die Reißleine zu ziehen, war daher keineswegs so unvernünftig, wie dies nun nachträglich erscheinen mag. Auch den Banken darf man in diesem Zusammenhang kaum Beratungsfehler vorwerfen. Dennoch erwiesen sich diese Limit-Aufträge als Bumerang, weil sich die Währungshändler am 15. Januar die Limit-Order zu teilweise völlig irrationalen Kursen aus dem Markt fischten.

Obwohl sie das nicht müssten, haben heimische Banken nun nach Verhandlungen mit dem Sozialministerium eingewilligt, in Fällen, in denen die Stop-Loss-Order eine Konvertierung von Franken in Euro bewirkte, bis Ende Februar eine kostenlose Rückabwicklung der Aufträge durchzuführen. Laut Ministerium sind mehrere hundert Kreditkunden betroffen. Das Sozialministerium rät zwar, sich eine Rückkonvertierung gut zu überlegen, da man sich dem Risiko weiterer Währungsschwankungen erneut aussetzt, allerdings dürfte es Fälle geben, in denen sogar eine Rückabwicklung der Stop-Loss-Order und eine Konvertierung zum aktuellen Kurs günstiger wäre. (gp)

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