Die Fondsratinggesellschaft Morningstar hat eine neue, einheitliche Kostenkennziffer präsentiert, die Licht in den Gebührendschungel werfen soll. Die sogenannte "Representative Cost" umfasst erstmals praktisch alle Posten, die bei der Geldanlage in einen Investmentfonds anfallen. Diese birgt damit das Potenzial, bisheriger Kennzahlen wie die "Total Expense Ratio" oder die "laufenden Gebühren" nach dem "Key Investor Information Document" (KIID) abzulösen. In diesen Angaben waren jeweils bestimmte Posten außen vor geblieben.


Die wichtigsten Gebührentypen bei Fonds, welche Kostenkomponenten darin enthalten sind  – und vor allem: welche nicht – finden Sie in der Galerie oben heraus.


Die neue Morningstar-Messgröße (die Berechnungsdetails für einzelne nationale Fondsmärkte finden Sie hier) verspricht einen umfassenden Vergleich der Gebührenbelastung, den es so bislang nicht gab. Denn wichtige Faktoren wie erfolgsabhängige Gebühren, Ausgabeaufschläge oder die Transaktionskosten sowie bei Dachfonds die Kosten der Zielfonds fehlten in den Vorläufer-Angaben. Die EU-Verordnung für verpackte Investmentprodukte (PRIIPs) schafft nun jedoch ein neues Transparenzniveau.

Großer Fortschritt – mit "schmerzlichen" Verlusten
Wie beim Vorläufer KIID weist das neue PRIIPs-Dokument drei große Kostenblöcke aus: einmalige, laufende sowie von Fall zu Fall aufkommende Posten. Ein wichtiger Punkt dabei ist, dass die Transaktionskosten nun mit aufgenommen sind – was bei keiner der Vorläufer-Kennziffern der Fall war. "Das ist ein immenser Fortschritt für die Analyse der Fondskosten", erläutert Morningstar-Experte Ali Masarwah in einem Online-Beitrag des Ratinghauses.

Die neue Transparenz ermögliche es, alle Einzelpositionen in einer einzigen Kostenkennziffer zusammenzufassen. "Da wir die Komponenten der Kennzahl bereits seit einiger Zeit erheben, sind wir nunmehr in der Lage, nicht nur einzelne Daten zu ermitteln, sondern umfassende Datensätze zu konsolidieren und über die Erstellung historischer Zeitreihen akkurate Aussagen über die Entwicklung von Fondskosten in Europa zu treffen", verspricht Masarwah.

Allerdings vermissen die Analysten von Morningstar eine Angabe in den neuen Produktblättern: wie hoch der Anteil des Portfolios ist, der in einem Jahr umgeschlagen wird. Die Umschlaghäufigkeit vermittele eine guten Eindruck darüber, welche Handelsstrategie ein Portfoliomanager fährt. "Je höher die Umschichtungsquote, desto höher sind tendenziell die Transaktionskosten", erklärt Masarwah. Die Experten würden diese Angabe daher "schmerzlich" vermissen. (ert)