Der Anbieter geschlossener Fonds Shedlin Capital ist insolvent. Einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens haben sowohl der Vorstand der Shedlin Capital AG als auch der Anlegeranwalt Peter Mattil gestellt. Das Amtsgericht Nürnberg hat den Rechtsanwalt Florian Schott zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt (Az.: 830 IN 1679/14, 830 IN 1680/14). Laut der Internetseite von Shedlin ist der Unternehmensgründer Robert G. Schmidt aus dem Vorstand ausgeschieden. An seine Stelle rückte aus dem Aufsichtsrat der Rechtsanwalt Ralf Landwehr.

Mehrere tausend Anleger aus Deutschland und Österreich haben in acht geschlossene Fonds des Emissionshauses rund 140 Millionen Euro Eigenkapital investiert. Von der Insolvenz sind die geschlossenen Fonds des Anbieters (noch) nicht betroffen. Da sie aber selbst kaum Erträge erzielen und nun nicht mehr von der Shedlin Capital AG gestüzt werden können, sind Insolvenzen bei den Fonds nicht auszuschließen.

Fonds unter den Erwartungen
Die bekanntesten Beteiligungen Middle East Health Care (MECH) 1 und 2 sind die größten Fonds. Sie befinden sich seit Jahren in Schieflage. Besser läuft es nach Shedlin-Mitteilungen beim drittgrößten Fonds, dem Chinese Property 1, bei dem 15 der knapp 30 platzierten Millionen Euro aus Österreich stammen. Er hat mit Charle­magne Capital in zwei Immobilienneubau­projekte in China investiert.

In einem Projekt kam es zwar zuletzt zu gravierenden Verzögerungen, aber Shedlin hat die Beteiligung offenbar zu einem guten Preis abgestoßen. "Wir werden in diesem Jahr noch so viel ausschütten, dass die Anleger Ende 2014 das gesamte Eigenkapital zurückbekommen haben werden", kündigte Schmidt Ende August gegenüber FONDS professionell an. Dieses Versprechen brach Schmidt vor wenigen Tagen. Der Termin und die Höhe der Auszahlung stehen "Schwierigkeiten und Verzögerungen" bei den "Verhandlungen über den Verkauf der Anteile am Projekt in Nanjing" noch nicht fest, teilte Initiator Schmidt vor wenigen Tagen mit.

Verluste und Rochaden
Die Shedlin Capital AG hat in den Jahren 2012 und 2011 Bilanzverluste von jeweils mehr als fünf Millionen Euro produziert. Die Verbindlichkeiten beliefen sich Ende 2012 auf 6,1 Millionen Euro. Ihnen standen 464.000 Euro Anlagevermögen und 417.000 Euro Rückstellungen gegenüber. Bereits im Juni dieses Jahres haben die Aufsichtsräte Eveline Marton, Andreas Wolf und damals noch Ralf Landwehr den zweiten Vorstand Rafael Saorin Hita abberufen. Er war erst ein Jahr davor vom Containerinvestment-Anbieter Solvium zu Shedlin gewechselt.

Im August erklärte Schmidt gegenüber FONDS professionell, dass Shedlin keine neuen geschlossenen Fonds auflegen werde. "Das Image unseres Hauses ist durch die MEHC-Fonds schlecht", gestand sich Schmidt selbst ein. Das Unternehmen hat reagiert, Personal abgebaut und die Geschäfte ins Ausland verlegt. "Die Projekte mit unseren institutionellen Partnern laufen gut. Deshalb können wir die MEHC-Fonds finanzieren", so Schmidt vor wenigen Monaten. (ae)


Einen Hintergrundbericht zu den Middle-East-Health-Care-Fonds können Sie in der FONDS professionell-Ausgabe 3/2014 lesen.