Laut Samarth Shekhar, Gründer des Fintech-Forums, stehen mittlerweile mehr als 200 junge europäische IT-Firmen im Wettbewerb um Investoren und Kunden für ihre Dienstleistungen. Jedes davon tritt zudem gegen etablierte Finanzunternehmen – vor allem Banken, Versicherungen und Zahlungsverkehrsspezialisten an. Und natürlich machen die Innovatoren auch einander Konkurrenz, denn ihre Angebote sind häufig ähnlich bis gleich.

Dass nicht alle diese Prüfung bestehen werden, muss auch Investoren klar sein, daher ist die Entscheidung, an wen man glaubt und an wen nicht, schwierig. Auf die sich hier bietenden Anlagechancen zu verzichten, ist dennoch keine Option, denn natürlich kann jedes der neuen Unternehmen das nächste "PayPal" sein. Allein im deutschsprachigen Raum wurden laut Shekhar in den vergangen Jahren daher an die 300 Millionen Euro in FinTechs investiert.

16 FinTechs aus ganz Europa stellten sich beim Fintech Forum in Wien vor, darunter auch vier Unternehmen aus Österreich: baningo, Coinimal, fionnest und kWallet.

Neue Bankbeziehung
Die meisten Fintechs konzentrieren sich dabei auf leicht zu standardisierende und wenig beratungsintensive Segmente. Dazu zählen der Zahlungsverkehr, das Onlinebanking oder einfache Finanzierungsprodukte, daneben werden aber auch ganz andere Ideen für die Finanzbranche vorgestellt. Etwa jene von baningo. Die Macher von baningo versprechen nichts weniger, als die Revolutionierung der klassischen Bankbeziehung. "Wir ermöglichen es Kunden, für Finanzthemen selbstbestimmt die passenden Berater zu finden und mit ihnen direkt über baningo.com Informationen auszutauschen. Banken und Bankberater unterstützen wir bei der Gewinnung von Neukunden und der Aufrechterhaltung von Kundenbeziehungen", erklärt Mitgründer Harald Meinl bei seiner Präsentation. Konkret geht es hier um den Aufbau eines Bankberaterverzeichnisses, über das Kunden den für sie am besten geeigneten Bankberater finden können. "Der Kunde kann dann direkt über unsere Seite mit dem Berater in Kontakt treten, somit generieren wir für die Banken vielversprechende Leads", hofft Meinl. Erste Kooperationen wird es mit der Bank Austria und der WSK-Bank geben.

Bitcoins rasch kaufen
Völlig anders sieht die Stoßrichtung von Coinmail aus. Das österreichische Start-up hat sich auf den Handel von Bitcoins und anderen "Cryptocoins" spezialisiert. Es wurde im Oktober 2014 in Abstimmung mit den zuständigen Behörden gegründet. Firmen-gründer Eric Demuth beschreibt sein Angebot als vollautomatisierte Plattform: Sobald die Zahlung bestätigt wurde, werden die Bitcoins automatisch versandt. "Aufgrund dieser Technik ist es uns möglich unseren Kunden den besten und schnellsten Service zu bieten", erklärt Demuth. Neben der Online-Plattform setzt man zudem auf eigene Bitcoin Automaten. Der erste davon wurde kürzlich im Café Gretel in Wien aufgestellt. Der Kaufvorgang über den Automaten dauert nur wenige Sekunden und nach Einwurf des gewünschten Bargeldbetrags in den Automaten versendet dieser automatisch den Gegenwert in Bitcoin an die gewünschte Bitcoin-Adresse des Kunden.

Bezahlen mittels Mobiltelefon
kWallet mischt bereits im Mobile Payment Markt mit und will das Bezahlen mit mobilen Endgeräten vereinfachen. In seinem Pitch erklärt Gründer Markus Lobmaier, dass man bereits etliche kWallet-Akzeptanzpartner hat. Für den Endkunden ist die Bedingung relativ simpel: In einem ersten Schritt ist eine Registrierung mit Namen und E-Mail-Adresse notwendig. Anschließend verbindet der kWallet User seine Kreditkartendaten mit kWallet. Nach Aktivierung der App im Shop muss das Mobilgerät an das kWallet Register Terminal angenähert werden. Der Betrag scheint auf dem Screen auf, worauf nur mehr auf "Bestätigen" geklickt werden muss und die Bezahlung erledigt ist. Als Unternehmen zahlt man 2,75 Prozent pro kWallet-Transaktion.

Kapital für etablierte KMUs
Eine Finanzierungsplattform präsentierte Joerg Bartussek, Geschäftsführer von Finnest. Zum Unterschied zu anderen Plattformen, will Bartussek in erster Linie bereits erfolgreiche, etablierte Unternehmen ansprechen, die Kapital benötigen. "Auch diese Unternehmen haben es oftmals nicht leicht, einen Kredit von ihrer Hausbank zu bekommen. In der Regel werden von den Banken immer Sicherheiten verlangt. Wie wollen Unternehmen ansprechen, die über fünf Millionen Euro Umsatz machen, über zehn Jahre im Geschäft sind und profitabel sind", erklärt Bartussek die Zielgruppe. Die Kapitalgeber sind dabei externe Investoren sowie die Kunden und Mitarbeiter des Unternehmens. Investiert wird über Nachrangdarlehen. In der Praxis sehen sich die Geldgeber das Unternehmen an und geben dann in einer Art anonymen Auktion ihren Wunsch-Zinsen sowie die Höhe der Kreditsumme an. Das Unternehmen sammelt alle Gebote ein. Und wählt am Ende einfach die attraktivsten aus. Die Plattform übernimmt die gesamte Abwicklung und bekommt dafür einmalig 2,75 Prozent der ausbezahlten Summe  bei einem Mindestbetrag von 9.500 Euro.

Das erste FinTech-Forum kann angesichts der Zahl der antretenden Unternehmen und der interessierten Anleger als gelungen bezeichnet werden. Die Vorgangsweise, den Newcomern nur wenige Minuten für ihre Präsentation zu geben, hat sich dabei als klug erwiesen – wer es nicht schafft, binnen sieben Minuten Begeisterung für seine Idee zu wecken, dem wird es in einer Stunde vermutlich auch nicht gelingen. (gp)