Inhabern bestimmter ausländischer Fonds könnte bald eine unerfreuliche Nachricht ihrer Depotbank ins Haus flattern. Denn wie kürzlich bekannt wurde, ist es aufgrund eines Fehlers in der zentralen Datenverarbeitung eines banknahen IT-Dienstleisters über einen längeren Zeitraum – konkret geht es um die Steuerjahre 2013 und 2014 – zu einer Falschberechnung der 2012 eingeführten Kapitalertragssteuer auf Kursgewinne (Wertpapier-KESt) gekommen. 
 
"Es gab in der Vergangenheit Fälle, in denen es bei bestimmten ausländischen Fonds über einen längeren Zeitraum trotz Vorliegens steuerpflichtiger Erträge zu keinem beziehungsweise einem zu geringen KESt-Abzug kam", bestätigt Thomas Wilhelm von EY Österreich gegenüber FONDS professionell ONLINE. Der renommierte Steuerexperte, der neben seiner Tätigkeit bei der Unternehmensberatungsgesellschaft auch der Vereinigung ausländischer Investmentgesellschaften in Österreich (VAIÖ) vorsteht, betont außerdem, dass es sich um einen Fehler eines bankeninternen Datenproviders handelt. "In keinem Fall lag das Verschulden bei den Auslandsfonds selbst oder deren steuerlichen Vertretern."

Nach bisherigem Kenntnisstand hält sich der betroffene Personenkreis in Grenzen: Laut Wilhelm seien weniger als 0,5 Prozent aller eingelesen Datensätze betroffen, und dem Vernehmen nach geht es nur um ausschüttungsgleiche Erträge jener Fonds, die erklärtermaßen Erträge einbehalten. Inhaber solcher thesaurierender Fonds blüht nun eine Nachzahlung der KESt. Unterm Strich gehe es um einen Betrag von bis zu drei Millionen Euro, sagte Franz Rudorfer, Geschäftsführer der Bundessparte Bank und Versicherung in der Wirtschaftskammer, der "Presse". Auch Wilhelm rechnet mit einem "geringen einstelligen Millionenbetrag". Doch noch ist längst nicht ausgemacht, dass es im Zuge weiterer Recherchen dabei bleibt.
 
Banken prüfen Vorgehensweise
Eine Nachbelastung sei rechtlich gedeckt und sogar geboten. Es liege jedoch grundsätzlich im Ermessen jedes Instituts, die Kunden im Nachhinein zu belasten. Kunden, die vom verabsäumten Steuerabzug profitiert haben, dürften hoffen, dass die Bank die Steuer selbst trage, um allfällige Irritationen durch die nachträgliche Aufrollung zu vermeiden, so Wilhelm. 

Ein Großteil der österreichischen Bankenlandschaft bezieht ihre Daten von der Österreichischen Wertpapierdaten Service GmbH (ÖWS). Die 1996 gegründete Gesellschaft bezeichnet sich daher selbst als die "Wertpapier-Datendrehscheibe" der heimischen Banken. Nach aktuellem Wissensstand ist lediglich der Sparkassen-Sektor nicht betroffen. Dieser stützt sich auf ein eigenes System. Der Fehler ist bereits seit Mai 2015 bekannt, im Hintergrund wurden seither Gespräche zwischen dem Bankensektor und dem Finanzministerium geführt. (dw)