Der Finanz- und Kapitalmarkt bietet auch 2015 einiges an Herausforderungen und neuen Möglichkeiten. "Die Weltwirtschaft erholt sich weiterhin, gestützt durch eine anhaltend lockere Zentralbankpolitik, insbesondere in Europa, Japan und der Schweiz", erklärt Anja Hochberg, CIO der Credit Suisse für Schweiz und Europa, im Rahmen des vierten Österreichischen Fondsforums in Wien. "Zusätzlich gibt die anhaltend tiefe Inflation den Zentralbanken Handlungsspielraum."

Aktien noch immer attraktiv 
Verglichen mit der Situation an den Finanzmärkten vor einem Jahr befinden sich Anleger inzwischen in einem völlig neuen Umfeld. "Während damals im Zuge des 'Taper Tantrums' Staatsanleihen klassischer Industriestaaten einen Ausverkauf erlebten und eine starke Kursentwicklung bei Aktien für 2014 vorhergesagt wurde, haben Anleihen in den letzten Wochen eine Rallye verzeichnet und Aktien mussten eine schmerzhafte von Volatilität geprägte Phase erleben", so M&G-Österreich-Chefin Karola Gröger. "In dieser Situation sollte sich jeder fragen, was sich in Bezug auf die Fundamentaldaten geändert hat und wie sich dies in der Anlagestrategie für ein Multi‐Asset-Portfolio widerspiegelt."

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An dem breiten makroökonomischen Umfeld mit einem moderaten globalem Wachstum und niedriger Inflation hat sich wenig geändert. Zudem halten die meisten Industrieländer trotz Tapering in den USA an einer expansiven Geldpolitik fest. Trotz sehr realer Herausforderungen in Bezug auf die Konjunkturerholung, vor allem in der Eurozone, betonte Gröger die laufende Verbesserung am Arbeitsmarkt in den USA. Der fallende Ölpreis sollte sich auch eher positiv auf die globalen Wachstumsaussichten auswirken. Beide Faktoren wirken sich günstig auf die Realeinkommen aus. "Deshalb sind wir überzeugt, dass trotz einer stärkeren Aufwärtsbewegung bei den Bewertungen, Aktien mittelfristig attraktiv bleiben. Auch Teile der Credit-Märkte, beispielsweise Staatsanleihen einiger Schwellenländer sind attraktiv, vor allem im Vergleich zu Cash und Staatsanleihen der etablierten Industrienationen. Diese scheinen dagegen erneut gefährlich überbewertet zu sein", so Gröger. 

Diese Einschätzung in Bezug auf Aktien teilt auch Philipp Baar-Baarenfels von Axa Investment Managers: "Es führt kein Weg an einer Aktienquote im Portfolio vorbei. Aufgrund der positiven Dividendenentwicklung würden wir die bestehenden behalten und auch bei kurzfristigen Rückschlägen die Aktiendepots auf lange Sicht weiter ausbauen." 

Folgen der Tiefzinspolitik kaum einschätzbar 
Eine Herausforderung für rentenaffine Investoren stellt die Tiefzinspolitik der Zentralbanken dar. "Wer sich nicht permanent damit beschäftigt, kann die Chancen und Risiken kaum noch einschätzen", so Ralph Geiger, Director und Fixed Income Spezialist der Credit Suisse. Nie war es für Sparer schwieriger, ihr Geld gewinnbringend anzulegen. Auf Tagesgeldkonten gebe es keine oder fast keine Zinsen mehr. Das aktuelle Marktumfeld für festverzinsliche Anlagen sei von tiefen Renditen und bescheidenen Risikoprämien geprägt. "Im aktuellen Niedrigzins‐Umfeld müssen Sparer ihr Investmentuniversum erweitern, damit nicht nur eine nominelle sondern auch eine reale Rendite erzielt werden kann", sagt Geiger. 

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"Dies erfordert ganzheitliche Betrachtungsweisen und neue Investmentansätze für das festverzinsliche Anlageuniversum, insbesondere angesichts des aktuellen Risikos höherer Nominalzinsen sowie anhaltender Volatilität der Zinsdifferenzen. Anleger, die sich weiter auf alte Methoden konzentrieren und an einem statischen Ansatz festhalten, laufen Gefahr, bei höherem Risiko geringe oder gar negative Renditen zu erzielen." 

Mieten ziehen deutlich an 
Jeder der sich mit dem Thema Immobilieninvestments beschäftigt, müsse sich laut Gerhard Mittelbach, Geschäftsführer von Trivium Invest,  zwangsläufig auch mit dem Immobilienmarkt beschäftigen und die Entwicklungen kennen. "Ein stark erkennbarer Trend ist der Anstieg der Ein-­‐ bis Zweipersonen Haushalte", so Mittelbach. "Ebenso ist klar zu erkennen, dass die Miete anzieht." Es gibt einen weiteren klaren Trend mit zwei Auswirkungen: Leistbarer Wohnraum wird sehr stark nachgefragt. Da Neubauwohnungen zu teuer geworden sind, steigt die Nachfrage nach gebrauchten Wohnungen, welche auch selbst saniert werden können. "Viele junge und alleinstehende Leute halten sich aufgrund der Unsicherheiten am Arbeitsmarkt lieber flexibel und mieten anstatt zu kaufen", so Mittelbach. 

Technologiewerte als fixer Portfoliobestandteil 
Veranlagungen im Technologie-Bereich zählen auch 2015 zu den Megatrends. "Viele denken bei defensiven Aktien-Investments eher an Basiskonsumgüter als an Technologie-Titel", so Mike Judith, Vice President DNB Asset Management. In diese Liga seien die Technologiewerte ihm zufolge jedoch unlängst aufgestiegen. Der Technologiesektor habe zahlreiche Value-Aktien mit wachsenden Umsätzen, erfreulichen Gewinnperspektiven und werde von hohen Eigenkapitalpolstern geprägt, was die Aktienkurse kontinuierlich zu neuen Höhen treibt. "Dabei kommen auf den Sektor auf mittlere Sicht noch viele weitere strukturelle Wachstumstreiber hinzu", erklärt Judith. 

So stehe die Welle der Infrastrukturausgaben bei den Unternehmen noch aus und die zunehmende Nutzung von neuen Technologien, die Smartphones oder das Internet der Dinge seien nur als Beispiele genannt, ist gerade dabei, unser aller Leben nachhaltig zu verändern. "Der zukunftssichere Sektor kennt jedoch nicht nur Gewinner, sondern auch zahlreiche Verlierer, was einen aktiven Managementansatz erfordert", sagt Judith. So könne dem Anleger neben einem positiven Marktausblick auch noch ein stattlicher Mehrertrag durch eine überlegte Aktienauswahl zum Vorteil gereichen. (dw)