Das Marktumfeld in Europa bleibt schwierig: Die lähmenden Brexit-Verhandlungen, die italienischen Staatsfinanzen, das Erstarken nationalistischer und populistischer Bewegungen im Vorfeld der Europawahl im Mai – all das bietet Anlegern Grund zur Sorge. Dennoch dürfte das Börsenjahr in Europa hat nicht so übel ausfallen, sagt Robert Lind, politischer Volkswirt der Capital Group. "Wenn die Weltwirtschaft stabil bleibt, dürften viele international ausgerichtete europäische Unternehmen davon profitieren", ist er überzeugt.

Vor allem Banken und zyklischen Industrieunternehmen in Europa kämen optimistischere globale Wachstumserwartungen zugute, so Lind. Derzeit prognostiziert der Internationale Währungsfonds für das laufende Jahr immerhin ein solides Weltwirtschaftswachstum von 3,7 Prozent. Positiv sieht der Volkswirt auch die Bewertungen auf dem europäischen Aktienmarkt: Europäische Titel sind in vielen Sektoren niedriger bewertet als US-Aktien. "In Europa ist die politische Risikoprämie höher als in den USA. Doch es gibt auch Chancen", sagt Lind.

Investoren sollten wählerisch bleiben
Als Beispiele für günstig bewertete europäische Unternehmen nennt der Ökonom den Flugzeugspezialisten Airbus und den Sportartikelhersteller Adidas. Günstig sind die Firmen vor allem im Vergleich zu ihren US-Pendants Boeing und Nike. "Sie haben stabile Finanzen und gute Langfristperspektiven", erklärt Lind. "Ihre niedrige Bewertung hat viel mit dem Land zu tun, in dem sie ihren Sitz haben." Anleger sollten allerdings trotz günstiger Bewertungen selektiv vorgehen und gezielt nach besonders vielversprechenden Aktien suchen, mahnt der Experte. (fp)