"Es wird immer Pensionen geben – allerdings mit schmerzlichen Einbußen an Einkommen und Komfort verbunden", sagte Bernd Marin auf dem FONDS professionell KONGRESS in Wien. Marin, der auf Einladung von Uniqa Finance Life sprach, leitet das Europäische Zentrum für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung und analysiert seit Jahren das österreichische Pensionssystem und dessen Folgen. Die Reformen früherer Regierungen verfolgten allesamt zwei Ziele: die Sicherheit des Pensionssystem erhöhen und das Budget konsolidieren. Und nichts davon sei bekanntlich geschehen.

Marin präsentierte in seinem Vortrag eine Reihe von Statistiken, um zu vergegenwärtigen, wie sehr das System kränkelt: Die Bundeszuschüsse haben sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt – noch vor der Pensionswelle der Baby-Boomer, wie der Sozialforscher anmerkt. Bis der Höhepunkt der Pensionsantrittswelle erreicht ist, werden die staatlichen Deckungsbeiträge also rasant steigen. 2040 werden in Österreich mehr als eine Millionen Menschen 80 Jahre oder älter sein, dagegen wird es vergleichsweise deutlich weniger Erwerbstätige geben.

Die Pensionsfrage: ein Schrecken ohne Ende?
Das werde zwangsläufig dazu führen, dass die Generation unter 30 bestenfalls bis 70 Jahren arbeiten muss, um abschlagsfrei in den Ruhestand gehen zu können. Ohne drastische Reform könnte das österreichische Umlageverfahren – so Marin – schnell zu einem Pyramidenspiel werden: Wer früh dabei ist, kriegt viel heraus, die letzten aber beißen die Hunde. Die Kosten, die daraus Jahr für Jahr entstehen, liegen in der Höhe der Kosten, die von der internationalen Finanzkrise her rührten.

In der Pensionsfrage gebe es nach Einschätzung des Sozialforschers keinen Schrecken, aber auch kein Ende. Es sei vielmehr ein chronisches Enttäuschungsproblem, mit dem Bürger konfrontiert werden sein  – in Kombination mit einem Popularitätsproblem für die Politik. Jedes Jahr werde ein bisschen mehr gejammert werden und die Politik werde weiter versuchen die Probleme schönzureden, so Marin. 

Österreicher bei der Eigenvorsorge weit hinten
Beim neuen Pensionskonto und der Erstgutschrift seien dagegen noch keine großen Verluste zu erwarten. Für 90 bis 95 Prozent der Leistungsberechtigten dürfte die lebenslange Durchrechnung dienlich sein. Marin erhofft sich mehr Beitragsgerechtigkeit. Die Angleichung des Frauenpensionsalters werde jedoch ihm zufolge noch bis etwa 2034 dauern. Frauen seien aufgrund  vieler Arbeitsunterbrechungen und Teilzeitarbeitsphasen mehrheitlich zu Arbeitsarmut verdammt.

Am Ende seines Vortrages machte Marin anhand einer internationale Statistik deutlich, wie groß der Aufholbedarf hierzulande bei der privaten Altersvorsorge ist. Mit gerade einmal 1,9 Prozent vom gesamten Pensionseinkommen liegen die Kapitalerträge in Österreich auf einem extrem niedrigen Niveau. In Kanada, den Niederlanden, den USA, Großbritannien und Dänemark, die dieses Ranking anführen, liegt der Anteil bei mehr als 40 Prozent. Der OECD-Durchschnitt liegt bei rund zehn Prozent. (dw)

Redaktioneller Hinweis: Lesen Sie dazu auch das Interview mit Prof. Dr. Bernd Marin in der kommenden Ausgabe von FONDS professionell (1/2014), die Ende März erscheinen wird.