Wie Clemens Trauttenberg von Wolf Theiss Rechtsanwälte GmbH bekanntgab, hat Sonja Kohn, Gründerin und Mehrheitseigentümerin der ehemaligen Bank Medici in Wien, vor dem High Court in London ein vom Madoff-Masseverwalter Irving Picard gegen sie geführtes Verfahren gewonnen. Es ging dabei um Zahlungen, die Kohn von Madoff durch dessen Londoner Gesellschaft für von ihr erbrachte Leistungen erhalten hat.

"Voll und ganz redlich gehandelt"
Unter den Mitangeklagten befanden sich ehemalige Direktoren der Madoff-Gesellschaft, denen vorgeworfen wurde, diese Zahlungen rechtswidrig geleistet zu haben. Der Londoner High Court bestätigt in dem am Freitag ergangenen Urteil, dass "die Zahlungen an Frau Kohn nichts anderes als eine angemessene Entlohnung für die von ihr rechtmäßig erbrachten Leistungen waren" und dass "Frau Kohn in diesem Zusammenhang voll und ganz redlich gehandelt hat", so Anwalt Trauttenberg in seiner Aussendung. Der Richter habe Picard's Vorwurf, die erbrachten Leistungen wären wertlos, klar widersprochen. Zudem stellte er fest, dass auch die marktüblichen Konditionen für die Vermittlung von Geschäften dieser Art erheblich höher seien als die von Frau Kohn erhaltenen Zahlungen. Laut Richter Popplewell sei Kohn ein Opfer des Madoff-Betrugs: "Sie und ihre Familie haben selbst eigenes Vermögen verloren und ihr Leben war von heute auf morgen ein anderes".

Kohn habe giftige Pressemitteilungen (z.B. sie sei die kriminelle Seelenverwandte von Bernard Madoff gewesen) über sich ergehen lassen müssen, so der Richter in seinem Urteil. "Ich kann nicht umhin, die lobenswerte Würde und Zurückhaltung, die ich [...] von Frau Kohn während des Verfahrens beobachtet habe, abermals zu betonen", erklärte Popplewell. "Frau Kohn wusste es nicht, und hatte auch keinen Grund zu vermuten, dass die Vermögensverwaltung ein betrügerisches System war." (mb)