Wenn es dem Projekt der Bank für Gemeinwohl BfG gelingt, die regulatorischen Hürden zu überspringen, könnte heimischen Banken schon bald eine Konkurrenz erwachsen, die einiges Um­denken erfordern wird. Denn das von vielen Prominenten unterstützte Projekt unterschei­det sich deutlich von den am Markt befind­lichen Instituten. So will die Bank mit künftigen Krediten nur Vorhaben fördern, die dem ­Gemeinwohl dienen. Im Interview erklärt Robert Moser, Vorstand der BfG ­Eigentümer und Verwaltungsgenossenschaft, die Hintergründe des neuen Unternehmens und warum er als ehemaliger Sparkassen-­Vorstand seinen sicheren "Hafen" verlassen hat, um in einer schwierigen Zeit eine neue Bank zu gründen.
 
Herr Dr. Moser, wie entstand die Idee der Bank für Gemeinwohl?

Dr. Robert Moser: Die Idee hatte Christian Felber, Gründungsmitglied von Attac Österreich und Vorstand des Vereins zur Förderung und Gründung einer Demokratischen Bank, nach der Bankenkrise 2008. Felber hat die "Gemeinwohl-Ökonomie" wesentlich beeinflusst. Sein Konzept beruht – wie eine Marktwirtschaft – auf ­privaten Unternehmen und individueller Ini­tiative. Jedoch streben die ­Betriebe nicht in Konkurrenz zueinander nach Finanzgewinn, sondern sie kooperieren mit dem Ziel des größtmöglichen Gemeinwohls. Dieses Ziel verfolgen wir auch mit dem Projekt der Bank für Gemeinwohl.

Sie waren bis vor kurzem selbst noch Vorstand bei der Sparkasse Kitzbühel – warum haben Sie diesen sicheren Hafen verlassen?

Moser: Die Bankenlandschaft hat sich in den vergangenen 30 Jahren extrem verändert. Das Bank­geschäft hat sich von der realen Wirtschaft immer mehr abgekoppelt. Früher hat die Bank den Menschen geholfen, ihre Träume zu verwirklichen, und auch die Genossenschafter waren viel näher an der Bank als heute. Das sollte sich meiner Meinung nach wieder ­ändern. Bereits in meiner Tätigkeit als Vorstand der Sparkasse Kitzbühel habe ich mir schon über die Sinnhaftigkeit des Bankgeschäfts Gedanken gemacht und gewisse Geschäfte abgelehnt. Für das Gemeinwohl im Ganzen hätte man allerdings mehr machen können. Ich finde es daher wichtig, sich als Bank wieder auf Einlagen und Ausleihungen zu konzentrieren. Jene Leute, die Einlagen machen, sollen nicht nur wissen, sondern auch mitbestimmen, wofür ihr Geld verwendet wird. Heute haben die Bankkunden in der ­Regel ja keine Ahnung, ob ihr Geld nicht vielleicht in Atomkraft oder Glücksspiel in­vestiert wird oder die Abholzung des Regenwaldes fördert. Beim Projekt der Bank für Gemeinwohl wird es daher der Hauptzweck sein, das Geld in Bereiche zu investieren, die dem Gemeinwohl dienen. 

Sie sprechen vom „Projekt“: Wie weit ist man mit der Bank, und wie sieht Ihr Zeitplan aus?

Moser: Da wir aktuell noch keine Bankkonzession haben, müssen wir aus rechtlichen Gründen noch vom Projekt der Bank für Gemeinwohl sprechen. Für die Bankkonzession müssen wir nun sechs Millionen Euro einsammeln. Der Plan sieht vor, dass wir in mehreren Phasen das notwendige Startkapital aufbringen. In der derzeitigen ersten Phase wird es ein Private Placement für 149 Personen geben, die das nichtöffentliche Angebot zeichnen können. Anfang März sollen mit diesen Mitteln der ­Kapitalmarktprospekt und das Online-Zeichnungstool fertiggestellt werden. Danach werden wir in der zweiten Phase die rund 6.000 Mitglieder des Gründungsvereins sowie der Newsletter- und Facebook-Community einladen, zu zeichnen. Erst in der dritten Phase kann sich die gesamte Öffentlichkeit an der Gründung beteiligen. Am Ende rechnen wir mit 40.000 Genossenschaftsmitgliedern. Wir möchten, dass die Bank aus der Zivilgesellschaft heraus entsteht, und sind sehr zuversichtlich, dass wir sie Mitte nächsten Jahres gründen können. 

Wie kann man Genossenschaftsmitglied werden?

Moser: Jedes Genossenschaftsmitglied muss mindes­tens 200 Euro zeichnen. Das Maximum sind 100.000 Euro. Das gewährleistet die Unabhängigkeit von Großanlegern, was vor allem dann wichtig ist, wenn diese ihr Geld wieder abziehen wollen. Es ist dabei egal, wie viel jemand zeichnet, jeder hat nur eine Stimme. 

Wie wird das mit den Stimmrechten in der Praxis aussehen, wenn alle 40.000 gleichberechtigt sind?

Moser: Da sind wir gerade dabei, die Instrumente zu finden. Entweder kann jeder mitstimmen, es gibt dazu am Markt funktionierende Internettools, die wir uns gerade ansehen. Oder es werden für die Bundesländer Delegierte gewählt.

Wie finanziert sich das Projekt aktuell?

Moser: Bisher lebt das Projekt durch Spenden und die ehrenamt­liche Arbeit von vielen Helfern. Es gibt auch einige Banken aus dem Ausland, die eine ähnliche Strategie verfolgen und uns finanziell unterstützen. 

In Deutschland gibt es bereits erfolgreiche Beispiele für Banken, die ein ähnliches Konzept verfolgen. Was kann man von einer Bank wie der GLS Bank, die seit 2008 ihre Kundenzahl pro Jahr um 30 Prozent steigern konnte, lernen?

Moser: Das Modell der GLS Bank funktioniert sehr gut, allerdings wurde die Bank auch in einer Zeit gegründet, in der die Zinsdifferenz weitaus höher war. Wir sind jedoch trotzdem zuversichtlich, dass unser Projekt funktionieren wird. Natürlich haben wir uns die Banken sehr genau angesehen und werden auch viele Dinge über­nehmen. Es wäre ja sinnlos, das Rad neu zu erfinden. Ähnliche Wachstumsraten wie die GLS hatten wir übrigens einige Jahre auch bei der Sparkasse Kitzbühel. Wir wollten damals eine neue Geschäftsstelle aufmachen und haben dazu ein altes Bauernhaus adaptiert. Hätten wir das nicht gemacht, wäre es abgerissen worden. Bei dem Gebäude handelte es sich um eines von nur noch zwei Barockhäusern in der Gegend. Dies war ein Projekt für das Gemeinwohl, und die Bevölkerung hat uns dann dementsprechend unterstützt. Es zeigt sich also, dass man als Bank schon mit kleinen Projekten die dem Gemeinwohl zugutekommen, enorm profitieren kann.

Das gesamte Interview mit Dr. Robert Moser lesen Sie in der aktuellen Printausgabe von FONDS professionell. (gp)