Wifo-Ökonomin: "Hier ist eine staatliche Förderung nicht angebracht"
Wifo-Ökonomin und Vorsitzende der Alterssicherungskommission Christine Mayrhuber erklärt, warum die gesetzliche Pensionsanalyse reformiert werden muss, weshalb Frauenpensionen so niedrig sind und wieso eine Förderung der dritten Säule wenig bringt.
Seit gut einem Jahr ist die Wifo-Ökonomin Christine Mayrhuber Vorsitzende der Alterssicherungskommission. Die Arbeitsbasis für dieses Gremium gehöre grundlegend reformiert. Die Kommission muss ihre Gutachten zur Stabilität des Pensionssystems auf Grundlage von Indikatoren erstellen, die für die Periode 2005 bis 2050 im Gesetz stehen – etwa Bevölkerungs-, Erwerbs- und Produktivitätsentwicklung oder Beschäftigungsquoten.
Veraltete Werte
"Die gesetzlichen Werte weichen längst von der Realität ab. Mit diesen Indikatoren entspricht die Beurteilung der finanziellen Nachhaltigkeit zwar dem Gesetzestext, nicht aber den gegebenen Entwicklungen. Diese Arbeit ist einfach nicht zielführend", so Mayrhuber in einem Interview, das in voller Länge in der neuen Ausgabe von FONDS professionell erschienen ist.
Ihrer Einschätzung nach ist das österreichische Umlagesystem solide. "Das Absicherungsniveau favorisiert aber Standarderwerbsverläufe, während Frauenerwerbsverläufe oder instabil Beschäftigte nicht so gut wegkommen", so die Wirtschaftsforscherin. Zwar hätten heute nur mehr knapp zehn Prozent der Frauen keinen eigenständigen Pensionsanspruch – vor 15 Jahren waren es noch 20 Prozent. Die Einkommen müssten aber deutlich steigen, damit sich die Pensionen verbessern. Noch immer haben Frauen statistisch rund 40 Prozent weniger Alterspension als Männer.
Niedriglohnbeschäftigung als Problem in der Pension
Knapp 30 Prozent der Frauen in Österreich seien Niedriglohnbeschäftigte – ein sehr hoher Wert im europäischen Vergleich. Eine zentrale Stellschraube sieht Mayrhuber daher in der Lohnpolitik: "Eine gute Lohnpolitik ist eine gute Pensionsfinanzierungspolitik." Höhere Einkommen – insbesondere dort, wo der Staat ein großer Arbeitgeber ist – seien notwendig. Maßnahmen wie die Berücksichtigung von Kindererziehungszeiten hätten dagegen weniger Wirkung auf eine Gleichstellung, allein schon wegen der rückläufigen Geburtenrate.
Wenn es um die allgemeine Anhebung des Pensionsantrittsalters geht, hält sie eine flexible Altersgrenze für sinnvoll: Wer zum Beispiel wegen eines Studiums später in das Berufsleben einsteigt, könne auch später in Pension gehen. Man dürfe jedoch die Diskussion über die Sicherheit des Pensionssystems nicht ausschließlich über Maßnahmen bei den Arbeitnehmern führen.
Verpflichtende Arbeitgebermaßnahmen
In den vergangenen Jahren habe es in Österreich – im Unterschied zu anderen Ländern – keine verpflichtenden Schritte gegeben, um die Unternehmen in die Verantwortung zu nehmen. Weiterbildung, Gesundheitsförderung und ein Bewusstsein für alternde Belegschaften seien entscheidend. "Eine 50-jährige Person hat ein Drittel des Erwerbslebens noch vor sich."
Zur privaten Vorsorge bezieht Mayrhuber klar Stellung: Förderungen der dritten Säule sieht sie dann kritisch, wenn dadurch Mittel aus der ersten Säule abfließen. Außerdem stünden am Markt ausreichend Produktoptionen für jeden offen. Die bestehende betriebliche Vorsorge hingegen könne weiter ausgebaut werden – durch organisatorische Verbesserungen oder größere Veranlagungsoptionen.
Unübliche Einseitigkeit in Österreich
Bei der jährlichen Anpassung der gesetzlichen Pensionen fordert Mayrhuber ein neues System. Als Orientierung für die Erhöhungen nur die Inflation heranzuziehen, sei international unüblich; sinnvoll wäre ein Mix aus Teuerung, Lohnentwicklung, Finanzlage und Lebenserwartung. (eml)
Das gesamte Interview lesen Sie in der FONDS professionell-Heftausgabe 4/2025 oder im E-Magazin. Darin spricht Mayrhuber auch über KI und Pensionen.















