Am Wiener Landesgericht begann am Montag (19.1.) der Strafprozess rund um die 2018 pleite gegangene Immobiliengesellschaft Wienwert (die Redaktion berichtete). Einer der Hauptangeklagten ist der letzte Vorstand, Stefan Gruze. Sein Anwalt Norbert Wess teilte zum Start in einer Aussendung mit, Gruze bekenne sich schuldig der angeklagten Korruptionsdelikte.

Zudem bekennt sich Gruze der grob fahrlässigen Beeinträchtigung der Gläubigerinteressen schuldig. "Ich übernehme Verantwortung für mein sorgloses Handeln – ich bin zu verschwenderisch mit Gesellschaftsvermögen umgegangen und habe zu risikoreiche Geschäfte abgeschlossen. Das habe ich im Nachhinein erkannt. Ich möchte mich bei den Geschädigten für den Schaden, der während meiner Amtszeit entstanden ist, entschuldigen", so Gruze in der Mitteilung.

Den Vorwurf des Anlagebetrugs weise er jedoch zurück. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) geht davon aus, dass bei der Wienwert-Pleite 1.800 Anlegerinnen und Anleger einen Schaden von 41 Millionen Euro hatten.

Gruze froh über Verfahrensfortschritt
Wess hob hervor, sein Mandant habe mit den Ermittlungsbehörden zusammengearbeitet, stehe unentgeltlich als Insolvenzvorstand zur Verfügung und habe zur Schadenswiedergutmachung beigetragen, indem er 500.000 Euro an die Wienwert-Gläubiger bezahlt habe. Die neunjährigen Ermittlungen würden für Gruze "eine erhebliche persönliche und berufliche Belastung" darstellen. Dieser sei "unabhängig vom Ausgang" froh, dass "das Verfahren nunmehr einem Abschluss zugeführt wird".

Angeklagt sind elf Personen – darunter die Gründer und Ex-Vorstände Nikos Bakirzoglu und Wolfgang Sedelmayer – sowie drei Verbände. Unter den Angeklagten befindet sich wie bereits länger bekannt auch der Immobilienunternehmer Klemens Hallmann. Seine Immobiliengruppe Süba musste vergangenen April ebenfalls Insolvenz anmelden.

Hallmann mitangeklagt
Hallmann wird vorgeworfen, die klamme Situation der Wienwert ausgenutzt und die Preise diktiert zu haben. Konkret, indem er dem Unternehmen eine Immobilie in Wien billig ab- und eine andere in Tulln teuer verkaufte. Dadurch seien die Gläubiger um vier Millionen Euro geschädigt worden. Hallmann hat die Vorwürfe früher bereits zurückgewiesen. (eml)