Mittels Mystery-Shopping hat die Arbeiterkammer (AK) kürzlich vier Anbieter von Vorsorgewohnungen (Raiffeisen Vorsorgewohnung, BUWOG, JP Immobilien, Wiener Privatbank) getestet. Vorgabe war der Erwerb einer Vorsorgewohnung zwischen 50 und 60 Quadratmetern, der Eigenmittelanteil stammt aus Barvermögen aus einer Erbschaft. Die Beratungsgespräche waren laut AK – bis auf eine Ausnahme – ausführlich gestaltet und wurden fast durchwegs als kundenorientiert empfunden. Allerdings kritisiert die AK, dass die Informationsqualität in den geführten Beratungsgesprächen höchst unterschiedlich ausfiel. Dies betraf etwa Details zu den steuerlichen Aspekten des Vorsorgewohnungsmodells, zur Kostenaufschlüsselung und zu den Erträgen beziehungsweise den Renditen.

"Aus den Unterlagen und Kosten ergeben sich jede Menge Risiken, die ein Durchschnitts-Käufer auch nicht auf den zweiten Blick erkennt und somit unterschätzt“, resümiert Gabriele Zgubic, Leiterin der AK Wien Konsumentenpolitik. Dem hält Michael Pisecky, Fachgruppenobmann der Immobilientreuhänder in der Wiener Wirtschaftskammer entgegen: "Investitionen haben immer ein Risiko, vor allem dann, wenn sie mehr erbringen sollen als die aktuell kaum nennenswerten Sparbuchzinsen. Eine professionelle Beratung ist in allen Fällen erforderlich."

Zu hohe Mietrendite-Versprechen
Die AK stößt sich dabei vor allem an den Mietrendite-Versprechen von „mindestens 3,5 Prozent“. Die Anbieter sind laut Zgubic mit ihren Zahlenbeispielen allzu optimistisch, was Ertrags- und Kostenannahmen. Die Beispielrechnungen in Werbeinseraten und Broschüren "ködern" demnach mit optisch niedrigen Kosten und attraktiven Renditen.

Zudem wird bemängelt, dass die schriftlichen Unterlagen, die den AK-Testkäufern ausgehändigt wurden, waren zwar umfangreich waren, die sowie Darstellung der laufenden verrechneten Kosten allerdings sehr unterschiedlich war. "Eine kompakte, verständliche Übersicht aller Positionen zu den Kaufvertragsnebenkosten ist kein durchgängiger Standard. Es fehlen Kostenübersichten, die rasch und kompakt über Kosten informieren", so die AK.   

Rechtswidrige Vertragsbestimmungen
Die Arbeiterkammer kritisiert auch die zahlreichen rechtswidrigen Vertragsbestimmungen, die sie in den Angebotsunterlagen der Vorsorgewohnungsverkäufer entdeckt hat. Mehrere Klauseln verstießen gleich gegen mehrere Gesetze – das Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch, Wohnungseigentums- sowie Konsumentenschutzgesetz.

"Die gröbsten rechtlichen Mängel der Kaufverträge aus Sicht des Vorsorgewohnungskäufers sind ausufernde Beschränkungen der Rechte auf Gewährleistung und insbesondere weitreichende Änderungsvorbehalte der Bauträger, die zu massiven Entwertungen der bereits gekauften Wohnung führen können", schlussfolgert AK-Wohnrechtexperte Walter Rosifka.

"Immobilieninvestments nicht schlecht reden"
Der Fachgruppenobmann der Immobilientreuhänder Pisecky warnt nun allerdings davor Investitionen in Immobilien schlecht zu reden. "Sie sind eine der wenigen Möglichkeiten, verantwortungsvoll vorzusorgen. Die AK fordert selbst immer wieder, dass Wohnen leistbarer werden muss. Das funktioniert nur, wenn viele neue Wohnungen errichtet und gekauft werden. Stimmung gegen Vorsorgewohnungen zu machen, ist nicht förderlich und verunsichert lediglich die Menschen. Rechtswidrige Inhalte in den Verträgen und einseitige Bewerbungen sind natürlich zu verurteilen", so Pisecky. (gp)